Traumatherapeutensuche für komplextraumatisierte und stark dissoziative Menschen

(Inklusive einer Sammlung von Anlaufstellen und Listen, auf denen Therapeuten zu finden sind, die sich mit komplextraumatisierten und stark dissoziativen Klienten auskennen, weiter unten im Artikel.)

Wer es von meinen Lesern noch nicht weiß: einen kompetenten Traumatherapeuten zu finden ist so ähnlich wie einen 100€ Schein auf der Straße zu finden. Es ist keine übliche Situation und selbst wenn an dem 100€ Schein ein Zettel hängt, der klar macht, dass dieser für den Finder ist und er ihn so nutzen kann, wie er es gerade brauch. Viele werden dennoch Hemmungen haben und auf jeden Fall lange darüber nachdenken, womit sie das verdient haben. Andere ergreifen die Chance bei Schopfe. Jeder ist anders..

Eine ordentliche Traumatherapie ist mindestens genauso schwer zu finden, allerdings selten so einfach wie das Glück über den Geldschein zu stolpern. Es gibt leider genügend Psychotherapeuten, egal ob psychologische, Heilpraktiker, die auf mannigfaltige Art zur Psychotherapie befähigt wurden, oder Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie. Ich behalte mir vor sie einfach alle als (Psycho)Therapeuten zu bezeichnen, auch nutze ich die männliche Form als Sammelbegriff für alle Geschlechter. Ich bin ja schon umständlich genug. Wie gesagt, es gibt nicht genug, es gibt a insgesamt kaum genügend Psychotherapeuten um den allgemeinen Bedarf in der Bevölkerung abzudecken. Sucht man einen Traumatherapeuten, heißt das auch, dass dieser Mensch neben seiner kostspieligen Therapieausbildung, die er nun irgendwie abbezahlen muss, auch noch recht kostspielige Weiterbildung in der Diagnostik spezifischer Traumafolgestörungen, spezifischen Behandlungsmethoden und vieles mehr macht, um seinen Patienten optimal helfen zu können. Gerade in der Psychotherapie muss man ständig up to date sein, da sich dort in den letzten Jahren, besonders in der Traumatherapie, der Sicht auf bestimmte Traumafolgen und der Methodik sehr viel tut.

Als Mensch mit einer im Fach sogenannten „komplexen Traumatisierung“, also in der Regel Traumatisierungen, die nicht nur ein oder einige isolierte Male auftraten, sondern einen längeren Zeitraum des Betroffenen geprägt haben, hat man es schwer selbst unter den Traumatherapeuten jemanden zu finden, der bereit ist, sich mit diesen Traumata auseinanderzusetzen. Es ist nämlich nicht schön und potentiell in der Lage ein Weltbild auf den Kopf zu stellen. Ich verstehe es vollkommen, wenn ein Therapeut offen zugeben kann, dass er überfordert ist. Tut er das nicht, schadet er sich und dem Patienten – oft mehr als man glauben mag.

Ist man gleichzeitig noch stark dissoziativ und nehmen wir dafür das Ende der dissoziativen Fahnenstange, die dissoziative Identitätsstörung, dann hat man das Problem, dass man spätestens hier abgewiesen wird, weil den meisten Therapeuten zu schwierig, sie haben noch keine Erfahrung und trauen sich nicht recht an die Materie heran.

Es gibt natürlich Cracks und Koryphäen auf dem Gebiet der Behandlung von DIS und einigen, gelegentlich damit zusammenhängenden Themen wie organisierte Täterstrukturen, RiGaGs und den Tatsachen, dass nicht alle Klienten es bereits geschafft haben sich aus diesen schädlichen Strukturen zu lösen. Manchmal weil die „Alltagsanteile“ nichts davon wissen und andererseits, weil es immer schwer ist, egal wie sehr z.B. die Familie einem geschadet hat, den Kontakt komplett abzubrechen. Immerhin, es gibt sie. Leicht ist es nicht einen dieser begehrten Therapieplätze zu ergattern. Es gibt kilometerlange Wartelisten, denn die Plätze sind rar – ein schwerst traumatisierter Klient mit einer DIS ist eine Herausforderung und verantwortungsvolle Therapeuten arbeiten nur mit einer begrenzten Anzahl solcher Klienten, zu leicht verheizt man sich sonst in seinem eigenen Job – und wer einen Platz ergattert hat, befindet sich häufig für längere Zeit in Therapie.

Eine Freundin riet uns in etwa folgendes (stark paraphrasiert)

Wenn ihr einen Hintergrund mit mehrfachen Traumatisierungen habt, eventuell auch organisiert und gezielt für die Produktion von Kinderpornographie „verfeuert“ wurdet, Opfer von Kinder- und Zwangsprostitution wart oder seit, wenn ihr rituelle Gewalt erlebt habt oder noch erlebt, wenn ihr Opfer von Verhaltens- und Bewusstseinskontrolle wart, wenn ihr Foltererfahrungen hab und obendrauf noch eine schwere dissoziative Störung habt oder gar eine DIS (ich selber ziehe da keine harten Grenzen, erlebe aber, dass viele Therapeuten dieses eben doch tun), dann müsst ihr euch darauf einstellen, dass die Therapeutensuche langwierig, herausfordernd, oft frustrierend wird und es oft so scheint, als wäre diese Belastung der Mühe nicht wert.

Bleibt zäh!

Lasst euch nicht so schnell abwimmeln. Werdet ihr abgewiesen, weil alles voll ist, ruft spätestens 3 Monate später wieder an!

Bleibt standhaft!

Bleibt dran! Auch wenn ihr nicht durchkommt oder auf mehrere Mails oder Nachrichten auf dem AB keine Rückantwort bekommt: Bleibt dran. So hart es gerade für jemanden ist, dem es schlecht geht und der vielleicht soziale Ängste hat, Therapieplätze bekommen meist diejenigen, die am Ball bleiben.

Vergesst nie, dass ihr es wert seit Hilfe zu bekommen! – und wenn ihr das nicht glauben könnt, redet es euch dennoch ein, denn es ist wahr!

Nehmt unfreundliche Therapeuten am Telefon nicht persönlich, wer weiß, was denen morgens ins Müsli gefallen ist!

Lasst euch nicht entmutigen, auch wenn es leichter gesagt als getan ist!

Die echten Perlen findet man oft an den Orten, wo man sie kaum vermutet hätte, tauch weiter!

Holt euch Hilfe euren Frust loszuwerden, und wenn es „nur“ das Tagebuch ist! Sprecht mit anderen Menschen, lasst euch aufbauen und neuen Mut zusprechen! Wenn ihr alleine seit, helfen euch vielleicht Netz-Communities, Krisentelefone, Gespräche in der nächsten Beratungsstelle.

Wenn jemand von euch weitere Anlaufstellen kennt, die ich hier nicht aufgeführt habe, spezifische Listen oder Suchmaschinen, Adressen usw.: Habt bitte keine Hemmungen sie hier mitzuteilen. Mit eurem Einverständnis, würde ich die Angebote gerne in diesen Thread mit einbauen.

EMDRIA Deutschland e.V. ist ein Verband von Therapeuten mit Zertifizierten Ausbildungen in der Traumatherapiemethode EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Auf der Website findet sich auch eine Suchmaske, mit deren Hilfe man Therapeuten, die in Deutschland zertifizierte EMDR-Therapeuten sind, suchen kan. Die meisten der dort gelisteten Therapeuten, sind durchaus auch mit anderen Methoden der Traumabehandlung vertraut. Zur Therapeutensuche.Wer nicht in Deutschland sucht findet hier die Möglichkeit Therapeuten im europäischen Ausland zu finden.

DeGTB – Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie ist eine Fachgesellschaft, die es sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat neue Erkenntnisse, Wissen und Informationen zu verbreiten und noch eine ganze Menge mehr. Es lohnt sich dort einmal vorbei zu schauen. Die DeGTB stellt auf ihrer Seite auch eine Suchmaske zur Verfügung, wo man geordnet nach geographischer Lage (hier ist es auch möglich neben Deutschland Therapeuten in Österreich, der Schweiz und in Luxemburg zu suchen), und einer Vielzahl weiterer Kriterien, wie Ausbildung des Therapeuten oder Art des Traumas, nach einem passenden Therapeuten gesucht werden kann. Gelistet sind nur Therapeuten, die DeGTB zertifiziert sind und entsprechende Ausbildungen in Psychotraumatologie abgeschlossen haben. Zur Therapeutensuche.

GPTG – Gesellschaft für Psychotraumatologie, Traumatherapie und Gewaltforschung. Der Name erklärt das Programm. Diese Organisation hat es  Das Besondere der GPTG ist meiner Meinung nach, dass man dort nicht nur nach Ärzten und psychologischen Psychotherapeuten suchen kann, sondern dass eine Vielzahl verschiedener Berufsgruppen, sowie Rettungsassistenten, Polizisten, genauso wie Pfarrer und Seelsorger dort Mitglied sind. Es gibt eine Seite „Hilfe und Beratung„, wo eine sehr Umfangreiche Linkliste, die für traumatisierte Menschen hilfreich sein könnte, zu finden ist, genauso wie Listen von Therapeuten, Kliniken, Fachkräften allgemein, Experten, Therapieformen und Finanzierungswege für eine ambulante Therapie. Eine Suchmaske für die Suche nach spezialisierten Traumatherapeuten in seinem Postleitzahlengebiet (neben Deutschland auch Österreich und die Schweiz) findet man direkt auf der Startseite.

VIELFALT e.V. ist ein Verein, der sich nun schon seit über 18 Jahren für die Information über Dissoziation und der Hilfe für dissoziative Menschen, bzw. im Besonderen für Menschen mit dissoziativer Identitätsstörung ein. Schon sein Jahren veröffentlicht VIELFALT jährlich eine Liste mit Kliniken, die spezielle stationäre Therapieangebote für Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD), für Menschen mit Komplextraumatisierungen und Dissoziativer Identitätsstörung, bzw. anderen stark ausgeprägten dissoziativen Störungen sowie Kliniken die Programme für traumatisierte Patienten, die gleichzeitig eine Suchtproblematik haben. Seit vielen Jahre bemüht sich VIELFALT schon darum eine Datenbank für Therapeuten anzulegen, die Traumatherapie auch für Klienten mit dissoziativen/r (Identitäts)Störung anbieten, sich zum Teil auch mit Themen wie ritueller Gewalt auskennen. Es ist möglich den Verein einfach anzuschreiben und eine Liste für Traumatherapeuten in seiner Region anzufordern. Die Mailadresse dafür lautet vielfalt@vielfalt.de, ansonsten erreicht ihr den Verein auf verschiedenen Wegen über diese Kontaktinformationen.
VIELFALT e.V. ist ein Verein, der wirklich Besonderes für Menschen mit DIS, in der Vergangenheit geleistet hat und dieses noch immer tut. Weihnachten steht ja vor der Tür und Menschen fühlen sich inspiriert gerade in dieser Jahreszeit sich ihrer sozialen Verantwortung noch stärker bewusst zu werden. Wer der westlichen Weihnachtstradition des Spendens föhnen möchte, dem darf ich diesen Verein noch einmal ans Herz legen. Möglichkeiten VIELFALT e.V. zu unterstützen findet ihr hier!

Wildwasser e.V. ist ein Verein, der sich vor allem an Mädchen und Frauen, die von sexuellem Missbrauch betroffen sind, aber auch an Freunde und Angehörige wendet. Wildwasser e.V. hat Beratungsstellen in vielen Städten und Regionen in Deutschland. Viele dieser Beratungsstellen arbeiten ja eng mit Betroffenen zusammen und begleiten viele auch bei der Therapiesuche. Meistens gibt es daher vor Ort eine Liste oder einen Karteikasten, wo Therapeuten verzeichnet sind und – und das kann hilfreich sein – mit Kommentaren von Patienten versehen sind. Es kann unter Umständen helfen so z.B. einige Therapeuten auszuschließen, weil diese nicht mit dissoziativen Klienten arbeiten oder im Gegenteil angeben dafür offen zu sein. Letztendlich ist es natürlich immer eine persönliche Entscheidung ob man mit einem Therapeuten zurecht kommt oder nicht, deshalb sollte man mit Erfahrungsberichten immer sehr bewusst umgehen. Wildwasser e.V. bietet auf seiner Seite auch die Möglichkeit nach Adressen von themenbezogenen bundesweiten Beratungsstellen in der eigenen Region zu suchen. Bei einigen der Beratungsstellen dort kann man euch sicher auch bei der Therapeutensuche helfen und euch eventuell in der Wartezeit begleiten.

Viele Städte haben sogenannte Trauma-Ambulanzen, die auch Behandlungen von Patienten anbieten, nach alle, aber viele haben Erfahrung mit komplextraumatisierten und stark dissoziativen Menschen. Manche können auch an passendere, niedergelassene Therapeuten vermitteln. In folgenden Städten findet ihr Trauma Ambulanzen (das hier ist nur eine Auswahl, denn die Liste ist lang, daher werde ich Links und Kontaktmöglichkeiten in einen separaten Artikel packen und diesen dann hier lediglich verlinken):
Trauma-Ambulanz des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München
Intensivierte Traumatherapie im ZIPB Berlin
Trauma-Ambulanz der Goethe-Universität in Frankfurt/Main
Trauma-Ambulanz des Universitätsklinikums in Münster

Es gibt auch gibt auch allgemeinere Methoden nach (Trauma)therapeuten zu suchen. Bei eurer Krankenkasse könnt ihr immer eine Liste von Therapeuten in euer Nähe anfordern. Ebenso könnt ihr die regionale Suche bei der Bundestherapeutenkammer nutzen. Auch einige der psychiatrischen Institutsambulanzen (kurz PIA genannt) der örtlichen psychiatrischen Krankenhäuser bieten neben akuter psychiatrischer und psychotherapeutischer Hilfe auch Hilfe bei der Suche nach geeigneten niedergelassenen Psychotherapeuten.

Es gibt diverse Websites, die Datenbanken haben, in denen man Therapeuten nach spezifischen Gesichtspunkten, wie z.B. Krankheit, Therapieform usw. auswählen kann. Häufig kann man dort auch direkt nach Traumatherapeuten suchen. Einige dieser Seiten sind, der Psychiatrische Informationsdienst (PID), der auf seiner Hauptseite auch einige nützliche allgemeine Informationen zur Therapeutensuche bereitstellt. Zusätzlich wird dort auch eine telefonische Beratung als Hilfestellung angeboten.

Bei der Therapeutensuche auf „therapie.de“ ist es ebenfalls möglich Therapeuten nach diversen Kriterien in seiner Region zu suchen.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Seiten, auf denen man psychologische Berater, Heilpraktiker, Gastalttherapeuten uvm. suchen kann. Ich habe mich hier auf die Anlaufstellen beschränkt, wo man – meiner Meinung nach – mit einer größeren Wahrscheinlichkeit einen Therapeuten oder eine Therapeutin findet, die Erfahrung mit der dissoziativen Identitätsstörung mitbringt, in der Lage ist auch persönliche Geschichten mit komplexen und verworrenen traumatischen Lebenserfahrungen zu „ertragen“, die einschätzen können, wie anstrengend eine Therapie mit solchen Klienten ist und die bereit sind zu den tief verborgen liegenden und vom Klienten gut geschützten Kernthemen vorzudringen.

Zum Unterschied von Intrusionen und Flashbacks (veröffentlicht in „Psychiatrie to go“)

Selbst Frachleute verwechseln immer wieder Begriffe und Konzepte Im Blog „Psychiatrie to go“ werden zwei, in der Psychotraumatologie oft vorkommende, und genauso selten verstandene Begrifflichkeiten erklärt und prägnant und verständlich auf den Punkt gebracht. Dies ist ein Zitat aus oben erwähntem (und übrigens sehr lesbarem) Blog:

Zum Unterschied von Intrusionen und Flashbacks

In der Traumatherapie spielt eine präzise Sprache eine ganz besonders wichtige Rolle. Ein Punkt ist, dass die häufigeren Intrusionen von den selteneren, dafür sehr viel pathologischeren Flashbacks unterschieden werden müssen. Es ist nicht gut, einem Patienten, der Intrusionen hat, zu sagen, er habe Flashbacks, und ihn entsprechend falsch zu behandeln… Zur Rekapitulation:

Intrusionen

Intrusionen sind Erinnerungen aus der Vergangenheit, die mir in den Sinn kommen, und die ich als störend oder belastend erlebe. Dabei habe ich Distanz zu diesen Erinnerungen und kann diese Erinnerungen als solche zuordnen. Ich kann dabei ganz normal weiterarbeiten. Ich bin Herr des Geschehens.

Flashbacks

Ein Flashback ist ein Zustand, in dem ich mit Haut und Haaren in ein vergangenes Erlebnis hinein gerissen werden, und es jetzt noch einmal durchlebe, als geschehe es gerade jetzt noch einmal. Dabei durchlebe ich nicht nur die abstrakte Erinnerung, sondern auch die damit verbundenen Sinneswahrnehmungen wie Gerüche, Berührungen und die damit verbundenen Gefühle wie Angst etc. noch einmal mit durch. Der Flashback ist hier Herr über mein Erleben.

Ein Jahr „Pandy’s“ Vitrine

Kaum zu fassen aber war, vor einem Jahr, einer Woche und einem Tag, habe ich hier das erste mal etwas geschrieben und damit meinen ersten Blog eröffnet (hätte ich mit diesem Posting noch einen Monat warten sollen? Hätte definitiv noch cooler geklungen :mrgreen: )

Mein Postfach quillt über, einigen von euch konnte ich schon antworten. Alle anderen bitte ich um etwas Geduld – oder schreibt mir einfach noch mal, nicht dass ihr mir aus versehen verloren gegangen seit.

Jetzt ist es auch schon wieder drei Monate her, dass ich den Blog mit Inhalt gefüllt habe, der mir auch wirklich wichtig war und nahe ging.

Gelobet sei die Dissoziation, die ja nicht nur für das Aufpalten von Menschen in verschiedene Teilpersönlichkeiten verantwortlich, sondern in meinem Fall das, was mühsam zusammengefügt wurde, wieder fein säuberlich trennt und mir jegliche Erinnerungen nimmt, sowohl an die Inhalte der Themen aus der Kategorie „Kabinett“ als auch die simple Tatsache, dass sie tatsächlich geschrieben wurden. Ich musste einiges kurz überfliegen, nur um mir sicher zu sein, dass ich nicht geträumt habe zuzulassen, dass „böse Dinge“, Dinge über die man mit „denen da draußen“ nicht spricht, ja nicht einmal wirklich mit den Involvierten der Familie oder außenstehender Täter. Wenn man darüber sprach, dann nur unter Aufforderung und fast nie ohne mehr oder weniger geschickte Suggestivfragen (á la „Du magst es doch gern wenn der Günter dich so lieb streichelt, da freust du dich die ganze Woche drauf, nicht wahr?“)

Das erste Blogger-Jahr, werde ich nicht großartig kommentieren. Es hat mir viel geholfen. Ich habe mir sozusagen selbst vor Augen führen können, was offensichtlich – wenn auch in einer deutlich abstrakteren Form – schon in meinem Verstand vorhanden war. Privat hat mir das Jahr viel Neues und/oder „einfach sehr Anderes“ gebracht. Auch wurde ich und habe mich selber mit vielen Themen konfrontiert, die ich hier gerne näher beleuchten möchte.

Viele sind zunächst allgemein philosophischer Natur:

„Wer bin ich?“
„Was ist das ‚Ich'“
„Zu was bin ich fähig, im Guten wie im Bösen“
„Was ist eine gesunde Sexualität, wie erfahre ich ob ich eine habe und wenn dem nicht so ist, wie erreiche ich das“
„Wie lernt Mensch zu vertrauen, wenn er klein ist, wie ist es, wenn er erwachsen ist?“
„Zu was kann ich gebracht/getrieben werden und was oder wie lange braucht es dazu (Stichwort Bewusstseins- und Verhaltenskontrolle, bzw. mind-control)?“
„Zu welchen Methoden greifen welche Organisationen um Menschen unter Kontrolle zu bringen?“
„Was motiviert solche Organisationen oder RiGaGs?“
„Wann verliert die Ware Mensch ihren Wert für die Organisation?“
„Wie löse ich mich aus solchen Netzwerken von RiGaGs, Organisationen von Tätern, involvierten Familien oder Einzeltätern

Mit dem Hintergrund der Themen, mit denen ich mich hier beschäftige, nämlich Störungen im Identitätserleben, gestörte Familienstrukturen mit psychischer, körperlicher und sexualisierter Gewalt, organisierter Menschenhandel, Gewalt als Bestandteil ritueller Handlungen von Kulten mit den verschiedensten Ideologischen Unterbauten, bekommen viele der Fragen – wenigstens für mich – eine ganz neue Dimension.

Ich freue mich, dass sich für diesen Blog einige Gastschreiber bereit erklärt haben das ein oder andere Thema aus ihrer Sicht zu beleuchten.

Für Steinchen und andere Träumer

And now for something completely different – even if I obviously ran out of military marches mrgreen  .

Das ist ein kleiner Ausschnitt aus dem animierten Film „Brendan und das Geheimnis von Kells“. Der junge Brendan lernt zeichnen und malen um das „Buch von Iona“, heute als „Book of Kells“ bekannt, fertigzustellen. Es ist die Zeit, in der die Wikinger Irland erobern. Sein Onkel, der Abt, besessen von dem Bau eines Schutzwalls, möchte das nicht und sperrt Brendan ein, als er mitbekommt, womit der Junge seine Zeit verbringt. Der Waldgeist Aisling (spricht sich wie „Äschlin“), den Brendan einst kennengelernt hat befreit ihn mit Hilfe der Katze Pangur Bán aus dieser Lage, so dass er weiter mit dem alten Mönch Aidan das Zeichnen erlernen kann.

Aisling singt hier wörtlich eine Mischung aus Englisch und Irisch, bzw. Gälisch

You must go where I cannot,
Pangur Bán Pangur Bán,
Nil sa saol seo ach ceo,
Is ni bheimid beo,
ach seal beag gearr.
Pangur Ban Pangur Ban,
Nil sa saol seo ach ceo,
Is ni bheimid beo,
ach seal beag gearr.

Auf Deutsch bedeutet das in etwa:

Du musst dorthin gehen, wohin ich nicht kann,
Pangur Bán, Pangur Bán,
In diesem Lebe gibt es nichts als Nebel,
Wir leben nur für einen kurzen Augenblick,
Pangur Bán, Pangur Bán,
In diesem Lebe gibt es nichts als Nebel,
Wir leben nur für einen kurzen Augenblick.

System Overload – Still Happy and Content

Wir brechen NICHT zusammen – nur der Input, den wir in den letzten Wochen hatten auch die (unnötigen) Konflikte haben ihre Spuren hinterlassen. Ich will damit nicht sagen, dass das schlecht ist, nur einfach viel 🙂 . Ich bekomme gute Unterstützung, ich habe ends-geniale Freude, die ich z.t. erstmal wiederfinden muss(te) und was früher schien, als würde es einen zerstören, stellt sich als lästiger, aber erledigter Teil des Lebens heraus. Vieles wird aufgearbeitet werden. Vieles wird seinen Abschluss finden. Vieles bleibt wie es ist. Vieles wird ganz anders.

So besch$§%%&$“ das Leben manchmal sein kann – Ich würde nicht tauschen wollen. Ich liebe dieses Leben, die Art zu leben. Ich bin frei, dennoch eingebunden. Der Kater schnarcht auf meinem Schoß, während mein Männe nebenan eine DVD schaut oder fern. Ich kann rüber gehen, wenn ich das möchte oder einfach hier bleiben. Wir haben unsere riesige, noch etwas unfertige Wohnung (in die im Frühjahr die Handwerker einfallen um alle wände aufzukloppen und unsere etwas gefährliche Elektrik zu erneuern – in der Küche haben wir nur Strom, weil einer unserer Mitbewohner seine Lampe über das offenbare Kabel gesetzt hat)… ich lieb es hier. Ich hab mich nach Jahren des Sehnens endlich tätowiert, eine äußerst zufriedene Katze, die schon für die Spritze vorgesehen war (FIV Katzen sind so schwer zu vermitteln… so traurig, denn sie sind genauso treue Weggefährten und die Tierarztkosten von gesunden Katzen, hab ich oft sehr viel höher steigen sehen. Hiermit sei eine Lanze gebrochen), den wunderbaren Männe immer mindestens bei sich nebenan, und so viele Menschen, die mein Leben jeden Tag bereichern, egal woher sie kommen oder zu welchem Teil meines Lebens sie gehören.

Zum Glück 🙂 denn mein Hirn brutzelt vor sich hin, brüllt nach Neustart und Partition – aber das kann es vergessen. Man muss sich den Dingen einfach stellen.

Ich empfehle Kokosöl als Bratfett

N24 Doku „Ritueller Missbrauch“

Die folgende Dokumentation befasst sich mit ritueller Gewalt in destruktiven satanischen Kulten. Ich möchte auch an dieser Stelle wieder anmerken, dass nicht alle Sekten und Zirkel, die einen satanistischen Glauben als Mittelpunkt haben, rituelle Gewalt praktizieren. Umgekerht kommt rituelle Gewalt in Gruppen allerlei möglichen Ausrichtungen vor, sei es neuheidnisch, bzw. neopaganistisch, chistlich, thelemisch, neofaschistisch, rein sadistisch oder Ideologiefrei schlichtweg zur Produktion entsprechender Pornographie.

Die Gesamtdokumentation wurde in mehrere, ca. 10 min. lange Abschnitte aufgeteilt. Einige Elemente und angesprochene Themen können für (nicht nur) für Betroffene sehr belastend sein und triggern



Quelle: YouTube

Marchin‘ in the Silver Light

Sticks and Stones did break my bones
And words could greatly harm me
Those bones did mend, those scars did blend –
Words formed a secret army

It’s words we fear and words we fight
Not knowing what they cause inside
A base on which belief is built
Far mor than feelings, such as guilt

Identity is split and cast
A puppet ‚till it’s unsurpassed

But yet, the army’s marching on
Still tuned in to the same old song
„Obey thy Lord and turn to him
Or else the consequence is grim“

Is rooted deep inside the Self
This army that has been prepared
It can be fought, has to be taught
They’re bearings far too small and scared

Keine Drogen sind auch keine Lösung

Frei nach diesem Motto stapften wir also zu unserem örtlichen Dealer, ließen das Krankenkassenkärtchen einlesen und nahmen im Wartezimmer platz.

Das alte Thema mal wieder: Medikamente (Ja oder nein? Wenn ja, dann welche?), bei uns Drogen genannt. Ich für meinen Teil halte eine begriffliche Unterscheidung, nur weil die eine Substanz teuer über Pharmariesen vertickt wird und die andere durch Trips in das ein oder andere europäische Nachbarland (oder einschlägige Straßenecken der eigenen Ortschaft) besorgt wird, für irrelevant. Droge bleibt Droge. Eine Substanz mit psychoaktiver Wirkung. Kaffee ist eine Droge, Alkohol ist eine Droge, Cannabis ist eine Droge und das ärztlich verordnete Opioidanalgetikum ist auch eine Droge.

Mensch und Droge sind eine untrennbare Einheit. Es gibt kaum eine Gesellschaft, ein Naturvolk, eine Subkultur, die nicht den Gebrauch ihrer bevorzugten Drogen pflegt. Nehm’ ich meinem Männe den Kaffee weg, war’s das mit häuslichem Frieden, klau ich den Studis aus der WG im Haus gegenüber ihre Hanfprodukte… nein, daran wollen wir nicht denken, das wäre dann doch zu grausam.

Drogen sind ein Bestandteil unseres Lebens, seit wir denken können. Seien es die Valium-Tropfen, die wir als Kind in den Fencheltee geträufelt bekamen, damit wir etwas gefügiger wurden (noch heute mögen wir diesen bitter-süßen Geschmack… waren wohl gut auf die direkt folgende Ruhe konditioniert), wenn der Onkel Günter mit Kamera und zwei Kumpels kam. Die Halluzinogene, die während diverser Rituale innerhalb der RiGaG konsumiert wurden oder so wunderbar die Methoden der Bewusstseins- und Verhaltenskontrolle unterstützten. Drogen waren es, die uns unendliche Qualen bescherten, die uns das Feuer der Hölle physisch haben spüren lassen und es waren Drogen, die uns Momente der inneren Ruhe, Angst- und Schmerzfreiheit schenkten. Eine Belohnung, die wir uns mit harter Arbeit verdienen konnten und die für uns einen hohen Wert hatte. Selbst wenn ich eine Schublade voll mit Benozodiazepinen, Opiaten, Brabituraten und anderen Narkotika hätte, genug um eine Elefantenherde ins Land der Träume zu schicken – wir würden diese Drogen niemals nehmen, um uns umzubringen. Es käme uns vor wie ein Sakrileg. Wir sind nie ein Kandidat für den goldenen Schuss gewesen, egal wie suizidal wir waren. Es mag schräg klingen, aber wir haben da ganz bestimmte Vorstellungen, selbst im Affekt – Drogen sind heilig und werden nicht missbraucht.

In der von Schulezeit und den  anderen “normalen” Aktivitäten dieser Phasen (wir sind heute noch jeden Tag dankbar, für diese Stunden der Flucht und dem, was wir so von anderen, “halbwegs normalen” oder nur “milde gestörten” Gleichaltrigen gelernt haben) geprägten  Jugend… *räusper* haben wir natürlich nur gehäkelt und gebetet… ganz bestimmt!!! …und manchmal vielleicht gesungen…

Irgendwann landeten auch wir im sozialpsychiatrischen Mühlwerk und da kommt man ohne (teils erzwungene) Einnahme diverser Psychopharmaka nicht davon. Auch wir hatten diese “Hilfe” offensichtlich dringend nötig, also wurd’ geschmissen was geschmissen werden konnte. Einige der übelsten Trips in unserem Leben haben wir kassenbezahlt in der Psychiatrie ausgesessen, von Ärzten als erfolgreich eingestellt abgehakt, wir lagen ja ruhig im Bett und keiner vom Personal wurde gezwungen sich mit dieser Frau zu befassen. Erfolg. Dass wir innerlich vor psychotisch-halluzinatorischem Erleben, der daraus resultierender Panik und körperlichen Schmerzen geschrien haben, uns aber keine Lautäußerung mehr gelang und wir kaum stehen konnten, war nicht relevant (ach Katatonie in Form von Stupor und Mutismus, du Segen aller polyklinikausgebildeten Schwestern und überforderten Assistenzärzte). Auf unseren äußeren Zustand wurde man aufmerksam, weil wir in der Visite das Gleichgewicht verloren und vom Stuhl rutschten. Reaktion: Strafmaßnahme.

Ja, das System gehört gründlich überarbeitet. Nein, nicht jede Psychiatrie und ihre Angestellten schiebt heute noch die “Kuckucksnest-Nummer”.

Heute sind wir weniger autoritätshörig.

Gerade dieses führte zu einem kürzlich (aber seit Jahren theatralisch angekündigten) Dealer-… Verzeihung, FACHarztwechsel. Unsere Ärztin war hilfreich in den ersten zwei Jahren, die wir bei ihr waren, weil sie sich Zeit nahm, uns für voll nahm und uns die Kompetenz zusprach, die wir tatsächlich hatten. Wir betrachteten die Sache nüchtern (mal wieder, aber diesmal  mit der Möglichkeit die Implikationenen nicht zu verdrängen), denn in den letzten 4 Jahren hatten wir pro Jahr exakt einen Termin mit ihr und einer davon betraf eine andere Erkrankung, die ich aufgrund der Größe der Praxis dort abklären konnte, ja und einen anderen Termin bekam ich nur durch ein geschicktes Täuschungsmanöver.

Es geht mir seit geraumer Zeit mit meinen Depressionen nicht besonders gut. Ich spüre es besonders am Antrieb, denn ich brauche eeeeewig für jede noch so kleine Aufgabe, wenn ich es überhaupt geschafft habe, aus meiner “Starre” zu erwachen. Ich skille mir den Arsch ab, Struktur ist vorhanden und genügend freie Räume, damit ich mich nicht beginne selbst weiter unter Druck zu setzen und alles in einer Rauchwolke hochgeht.

Also: Drogen

Nach dem ermogelten Termin (und dem Hinweis der neuen Sprechstundenhilfe, ich solle doch einfach neue Termine machen, wenn ich da bin, meinem freundlichen Nicken und beim Verlassen der Praxis lächelndes Kopfschütteln über so viel Naivität) wurde das Thema antidepressive Drogen angesprochen, ebenso wie andere aktuelle Probleme, die ich in ihr Fachgebiet fallen sah, so z.B. die gute Wirkung des Pregabalin, meiner Unfähigkeit seit Mitte 2012 zu schlafen (wenn, dann gelegentlich 1 1/2 Std. in 20 min. Rhythmen) und dem immer größer werdenden Problem der Antriebslosigkeit seit einer unabgesprochenen Medikationsänderung. Wir sagten, dass wir mittlerweile nicht mehr kompensieren können und dass sich auf unsere Arbeit, sei es außen, innen, oder Lebensbewältigung, wozu wir auch Therapeutensuche und soziale Kontakte zählen, massiv auswirkt.

Wir bekamen ein Agomelatin-haltiges Präparat und die Instruktion es mindestens 2 Monate zu nehmen. Wir sind brav, taten wie uns gesagt.

Einen neuen Termin bekamen wir – andere Sprechstundenhilfe, wir <sarcasm>mögen sie</sarcasm>, sie wird hier nur der Drache genannt und ich bin so froh unabhängige Zeugen zu dem ein oder anderen Termin bei mir gehabt zu haben – für einen Zeitraum nach 5 Monaten, früher wäre da nichts zu machen (Leute, diese Praxis ist nicht überlaufen, ich war schon so oft dort, mit 3 Patienten, 5 Ärzten und 6 Arzthelferinnen/-azubinen, die schwatzten und Kaffee tranken). Milder Schock, eher Fassungslosigkeit. Ich fragte sie, wie lange ich bei dieser Betreuungsdichte wohl das richtige Medikament finde. Nun, das sei wohl nicht ihr Problem. Ich fragte höflich, ob es denn möglich wäre wie früher Frau Dr. Schadewars, meine Fachärztin donnerstags, so wie sie es mir immer zusagte, kurz abpassen zu können. Nein, das ginge nicht, Frau Dr. Schadewars sei donnerstags nie in der Praxis und wäre es auch nie gewesen, so lange die Praxis existierte. Ich wusste ausnahmsweise mal genau, dass das nicht stimmte, weil ich mir die Zeiten, zu denen ich Frau Dr. erreichen konnte jedes Jahr neu in meinen Kalender schreibe. Ich konfrontierte den Drachen damit, dass das nicht sein könne, ich hätte 6 Jahre lang immer donnerstagsTermine gehabt. Der Drache schmetterte mir doch gar entgegen, dass das nie im Leben sein könne und dass sie es ja wohl besser wissen müsse als ich, schließlich arbeite sie dort und ich wäre eine psychisch gestörte Patientin, deren Verlässlichkeit in solchen Dingen bestimmt nicht die beste sei.

Ich hätts selbst nicht geglaubt, wenn Männe nicht hinter mir gestanden hätte.

Ich ging, nahm Kontakt mit der ausgelagerten Privatpraxis auf, wurde – auch als Kassenpatient – freundlich behandelt, bekam die Daten, wann ich Frau Dr. erreichen könne und tat etwas, was ich seit Jahren hätte tun sollen (abgesehen davon, das das Agomelatin die gleiche Wirkung wie Smarties hat und ich recherchieren musste um die nächste Droge, die ich dann ausprobieren würde, “auszuwählen”, Frau Dr. scheint dazu nicht in er Lage), ich setzte mich hin und verfasste sämtliche aktuellen Probleme stichpunktartig, ebenfalls einen Brief an Frau Dr. Schadewars, den ich ihr dort lassen wollte und die Bitte das von mir ausgesuchte Medikament, Verzeihung, Droge zu verschreiben.

Da die Praxis eh leer war, nahm sie sich also Zeit (darauf war ich nicht vorbeireitet, aber improvisieren ist keine meiner Schwächen), ich trug ihr meine Anliegen vor, dankte ihr für ihre kompetente Hilfe zu beginn der Zusammenarbeit, munierte – wie schon so oft, die Einstellung einiger Mitarbeiter, würdigte aber auch, dass es dort massive Veränderungen gegeben hat. Ich teilte ihr mit, dass ich nicht bereit bin mich von Mitgliedern ihres Personals anlügen zu lassen (ich brauchte keine Namen nenne, sie wusste, wen ich meine), als retardiert darstellen zu lassen und dass es nicht sein kann, dass ich quasi betrügen muss, um einen zeitnahen Termin zu bekommen.

Sie zuckte mit den Achseln und damit war das Thema für sie und nun auch für mich erledigt. Als ich ihr dann noch erklären musste, dass sie mich auch in andere Krankenhäuser einweisen kann, nicht nur das eine “um die Ecke”… blieb ich ruhig und verkniff es mir ihr einige einschlägige Literatur, z.B. das SGB o.ä. zu leihen.

Aaaaber

Dank Dr. Crumbiegel und einigen seiner Verweise bin ich bei einer Fachärztin gelandet, deren umfassende Kompetenz mich etwas schockiert hat, die sich sowohl in der Behandlung chronischer Schmerzen, sowie der Behandlung von Depressionen, Traumafolgeerscheinungen und der Differentialdiagnostik zwischen DIS und Schizophrenie auskennt – und es ihrerseits zu würdigen wusste, dass ich einem armen kleinen Assistenzarzt, der nachts um zwei Bereitschaft in der Notaufnahme schieben muss, bei der ehrlichen Beschreibung meiner Symptome in einer Krisenphase viel leichter zum Schluss: halluzinatorische Psychose kommen muss, als zu etwas anderem (der arme Assi hat genug zu tun als sich noch mit Psychopathologie zu befassen, der soll lieber ne Mütze voll Schlaf nehmen)

Frau Dr. Nachtigall (Ja, die Kreativität geht uns flöten) ist in jedem Fall eine Fachärztin, an die wir uns jederzeit wenden können. Entweder ist sie selbst erreichbar oder jemand anderes in dieser überdimesionierten und herrlich chaotischen Praxis. Als ich mit meinem doch recht langen Gespräch mit Frau Dr. fertig war, war es später Freitag Nachmittag, das Haus war fast leergefegt und das benötigte Rezept konnte nicht so einfach ausgestellt werden. Ich wurde aber nicht einfach nach Hause geschickt. Eine Sprechstundenhilfe, die schon mit Sack und Pack Richtung Aufzug verschwinden wollte, sah Männe und mich etwas verzweifelt in der Lobby stehen, fragte nach unsere Begehr und antwortete: “Ich kann sie ja so nicht nach Hause gehen lassen, warten sie, ich helfe ihnen.”

Angeblich sah ich aus, als hätte mir jemand in die Magengube getreten – nur eben… umgekehrt. (Männe konnte nicht anders, als dieses zu kommentieren, er hat mich schon so oft niedergeschlagen erlebt)

Es wurden Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, damit ich ein Rezept bekomme (und ich bin mir sicher, dass Apotheker extra Kurse in Arztschriftentziffern belegen müssen) und versorgt nach Hause gehen kann.

Ich lass mir nun eben helfen mit Pregabalin, hochdosiert, Bupropion, maximale Dosis, Zopiclon um wenigens ab und an mal zu schlafen und Duloxetin im Einschleichen… weitere Experimente werden anstehen.

Drogen sind keine Lösungen, sie sind Krücken… aber keine Drogen sind auch keine Lösung. Ich geh lieber eine Zeitlang oder von mir aus auch so lang ich lebe an Krücken als im Dreck liegenzubleiben und langsam zu verrotten