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Orpheus ohne Rückfahrschein

Als mir bewusst wurde, dass das, was ich seit meiner Kindheit erleb(t)e Gewalt und Missbrauch ist (es mag paradox klingen, ich kannte die Begriffe, wusste, was dazu im Wörterbuch stand, konnte sie aber lange nicht mit dem, was ich erlebte, in Verbindung bringen), fiel es mir noch schwer die Folgen für mich in meinem Denken, Fühlen, Wahrnehmen und Handeln zu erkennen.

Ich lernte dann, dass das, was ich erfahren hatte, traumatisierend war. Ich lernte den Begriff Psychotrauma und erfuhr von Ärzten, dass ich offenbar unter einem solchen litt. Man erklärte mir dazu kaum etwas, aber ich habe mein Graecum und wusste, dass „Psychotrauma“ übersetzt in etwa „Verletzung der Seele“ bedeutet. Eine Vertraute schickte mir ein Selbsthilfebuch aus dem ich lernte, was es bedeuten kann traumatisiert zu sein. Ich lernte, dass viele meiner Verhaltensweisen, Gefühle und meiner Denkmuster Folgen der erlittenen Gewalt und dem Aufwachsen in einer dysfunktionalen Familienstruktur waren. Bis dahin war ich der Meinung dass ich so war, wie ich bin, weil ich einfach schlecht war. Ängste, Zwänge, Tics und Anfälle waren für mich Zeichen, dass ich wohl einfach mit einem „minderwertigen“ Gehirn geboren worden war, Depressionen ein Zeichen von Faulheit, scheinbar irrationale Verhaltensweisen ein Zeichen für Dummheit und die furchtbaren Bilder in meinem Kopf, die mich Tag und Nacht quälten zeigten doch nur zu deutlich, dass ich zu all dem anderen offenbar auch verrückt und wahnsinnig war.

Schnittwunden kann man nähen, Abszesse kann man eröffnen und gebrochene Knochen lassen sich schienen. Wenn sich körperliche Wunden heilen lassen, dann muss es doch auch Wege geben die seelischen zu heilen. Das schien mir logisch und ich machte mich auf den Weg der Heilung. Ich suchte mir neue therapeutische Unterstützung, kaufte Bücher, lieh Fachartikel, ging in Selbsthilfegruppen, denn ich wollte wissen, was auf mich zukommen sollte.

Immer wieder hörte ich, dass ich noch einmal zurück in die Hölle müsse, mich meinen Dämonen stellen, sie mir betrachten, sie mir bewusst machen, um dann gestärkt, genesen, integriert wieder zurückzukehren.

Ich schnürte meine feuerfesten Wanderschuhe und stieg hinab.

Wie bei fast allen neuen Wegen, die ich beschreite, begleitete mich eine Naivität, die dem härtesten Rocker die Milch einschießen lässt, und ein merkwürdiger Optimismus, der nur Kopfschütteln verdient hat. Dass ich dennoch Panik schob, ist für mich kein Widerspruch. Wie schlimm konnte es schon sein sich mental in die Hölle zu wagen und die Dämonen betrachten, wenn man mit dem ganzen Rest seines Seins noch immer in ihren Tiefen feststeckte.

Auf der Reise stellte ich fest, dass die von mir betretene Unterwelt aus Ebenen oder Schichten bestand, wie eine Zwiebel oder die Höllenkreise aus Dantes Inferno. Nur unterschieden sich die Kreise, die ich nach und nach betrat, nicht darin, wer dort gepeinigt wurde, sondern darin, was ich erneut und doch ganz anders zu erleben hatte.

Ich pflegte stets zu sagen, dass es nicht so schwer sein würde sich mit mir und meinem Hintergrund auseinanderzusetzen, schließlich sei das Schlimmste die Gewalt und der Missbrauch selbst gewesen. Je tiefer ich aber in die Abgründe meiner Herkunft und meines bisherigen Lebens eintauchte, desto klarer wurde mir, dass dieser Glaubenssatz, an den ich mich wie eine Ertrinkende klammerte, nicht der Realität entspricht. Was zu stimmen scheint ist, dass mir jetzt weniger Schaden zugefügt wird. Es werden nicht konstant neue Wunden geschlagen. Es tut aber nicht weniger weh. Auf eine ganz bestimmte Weise ist es schlimmer. Während ich aufwuchs und solange ich noch körperlich in den destruktiven Strukturen meiner Familie und der RiGaG feststeckte wurde alles, was ich dort erlebte – Dissoziation sei Dank – in kleine, feine Päckchen aufgeteilt und getrennt voneinander in meinen Hirnwindungen abgespeichert. Nun aber soll oder will ich verarbeiten. Was das bedeutet wird mir mit jedem Schritt, den ich wage, klarer. Einer der ersten Therapeuten, die ich aufsuchte, sagte mir ich müsse über das, was mir widerfahren ist, reden. Wenn ich das täte, wäre ich geheilt. Aus der multiplen Persönlichkeit würde automatisch eine einzige, ganze, unbelastete Person werden, wenn ich alles ausspreche.

Die Dinge beim Namen zu nennen ist ein wichtiger Schritt, aber nach meiner Erfahrung nicht alles und auch nicht so einfach, wie es zunächst scheint. Es ist schwer jemanden zu finden, der sich das, was man zu sagen hätte, anhören kann und will. Der erwähnte Therapeut stellte nach kurzer Zeit fest, dass er sich den Inhalten nicht gewachsen fühlt und damit war er auch nur einer in einer langen Reihe Ärzten und Therapeuten in ambulanten und stationären Settings, die mir rieten doch endlich über die Traumatisierungen zu sprechen – aber bitte woanders.

Fall man doch das Glück hat einen Ort zu finden, wo man aussprechen dürfte, was einem auf der Seele brennt und was einen so sehr geprägt hat, dann finden sich noch genügend innere Barrieren, die das zu verhindern wissen. Oft kennt man keine Worte, die annähernd beschreiben könnten, was man erlebt hat. Man hat ja nie darüber geredet. Es fehlt das Vokabular, denn vieles findet keine Entsprechungen im normalen Alltag. Zudem ist man lange darauf trainiert worden niemals auszusprechen, was hinter den verschlossenen Türen vor sich geht. Man muss kreativ werden, um diese Schweigegebote zu umgehen, viel Geduld mitbringen und Vertrauen lernen, um sie zu durchbrechen.

Reden ist wichtig um sich die Gründe für das Trauma bewusst zu machen. Reden allein ist aber nicht der ganze Verarbeitungsprozess, es kann ihn lediglich auslösen oder ein Teil von ihm sein. Will ich „heilen“, das Trauma integrieren, muss ich das, was dissoziiert wurde, re-assoziieren. Was abgespalten wurde, muss wieder zusammengesetzt werden. Eine Erinnerung besteht aus verschiedenen Ebenen, (Körper)Empfindung, Emotion, Fakten, Bilder und Bedeutung des Geschehenen. Bei dissoziierten Erinnerungen an traumatische Erlebnisse sind diese Ebenen voneinander getrennt. Zu einigen Erlebnissen habe ich nur einige Bilder, weiß aber nicht was eigentlich passiert ist. Getrennt davon sind Emotionen, Empfindungen oder das Faktenwissen. Bei uns ist es aufgrund der dissoziativen Persönlichkeitsstruktur so, dass die Ebenen dieser Erinnerungen auf verschiedene Personen verteilt sind. Eine empfindet immer wieder starke Schmerzen in den Fingerkuppen, ohne zu wissen warum. Eine zweite Person sieht vor sich Bilder von einer fixierten Hand und einer Zange, die an einem Fingernagel ansetzt. Eine dritte weiß, dass ihr die Fingernägel gezogen wurden und wieder jemand anderes weiß, dass dies getan wurde um für ein ganz bestimmtes Fehlverhalten zu bestrafen. Hass auf die Täter, Scham, weil man bestraft werden musste oder der Ekel vor den eigenen blutverschmierten Fingern werden von weiteren Innenpersonen getragen.

Man dissoziiert das Erleben, weil alle Aspekte auf einmal in dem Moment zu viel für die Psyche sind. Für uns stellt sich immer wieder die Frage, ob wir eigentlich vollkommen wahnsinnig geworden sind, wenn wir versuchen ein Ereignis mit all dem, was einzelne von uns dazu beitragen konnten, zu rekonstruieren. Gefoltert zu werden und zu dissoziieren ist leichter als alle Aspekte dieses Ereignisses auf einmal zu erleben. Es zerreißt einen förmlich, wenn man die Schmerzen spürt, das Gesicht des Täters vor sich sieht, durchgeschüttelt von widersprüchlichen Gefühlen und alles in dem Wissen, dass es hier keinen tieferen Sinn zu finden gibt. Warum hat er das getan? Weil er’s kann.

Je länger ich mich auf dieser Reise in meine Unterwelt befinde, je tiefer ich vordringe, umso deutlicher wird, dass mein halb gescherztes Motto „einmal Hölle und zurück, bitte“ nicht mehr ist als das – nämlich halb gescherzt. Es gibt kein Zurück. Nach all dem, was ich gesehen, gefühlt, erkannt habe kann ich nicht zurück. Zurück bedeutet zurück zum Leugnen, zurück zum abgespalten Leben, zurück zum verzweifelten Versuch wenigstens einen Anschein von Normalität zu schaffen. Selbst wenn ich das wollen würde (und noch gibt es immer wieder Phasen, in denen ich mir das wünsche), ich könnte es nicht, egal wie sehr ich mich anstrengen mag.

Es bleibt mir nur tiefer in die Hölle einzudringen, bis ganz auf den Grund und dann noch ein Stück tiefer, immer in der Hoffnung, dass sich ganz weit unten ein neuer Ausgang verbirgt.

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20 Kommentare zu “Orpheus ohne Rückfahrschein

  1. Ich kann erahnen, wie Du Dich fühlst – und ich fühle mit Dir.

    Nachdem ich mich so tief und intensiv auf die Therapie eingelassen und damit noch viel tiefer und itesiver auf mich eingelassen habe, merke auch ich, dass es bei mir kein Zurück mehr gibt. Wenn ich das Gefühl habe, ich hätte eine Antwort gefunden, tauchen neue Fragen auf. Neue Ungewissheiten. Ich kann auch nicht mehr zurück, in das Leben, das ich vor dem Tag x gelebt habe. Dafür habe ich mich zu sehr mit mir und meiner Vergangenheit auseinandergesetzt und das hat mich verändert. Ich will, nein ich muss jetzt wissen, warum ich so bin, wie ich bin und weitermachen in der Ursacheforschung.

    Dir wünsche ich viel, viel Kraft für den weiteren Weg nach unten in die Hölle und vor allem, dass Du bald das Licht erkennst, das Dir den Weg zum Ausgang weist.

    Liebe Grüsse
    fiirvogu

    • Vielen Dank, ich möchte dir auch ganz viel Kraft für deinen Weg der Vergangenheitsbewältigung.

      Du hast recht, man verändert sich stark, vor allem alles was in einem ist, die gesamte Wahrnehmung, das Denken, das Fühlen. Es gibt kein Zurück, denn man ist ein ganz anderer Mensch geworden.

  2. Einmal mehr danke ich euch für das teilhaben lassen an etwas, das die meisten von uns nicht selbst erlebt haben und daher nicht mal erahnen, dass so etwas von lebendigen Menschen mit einem schlagenden Herzen in der Brust getan wird. So grausam und unvorstellbar Details sind, so klar seid ihr in der Widergabe. Danke dafür.

    Manchmal rutscht mir ein du statt ihr raus, das ist dann meiner Distanz zu etwas nur annähernd Vergleichbarem geschuldet und soll keine Missachtung eurer Person sein. Ich habe tiefen Respekt vor eurem Weg aus der Hölle heraus, indem ihr mitten in sie eintaucht, bis alles, alles sichtbar geworden ist und integriert werden kann. Ihr spürt sehr klar, was es braucht, heil zu werden und es erfüllt mich mit tiefer Freude, dass ihr sagt: Es gibt kein Zurück (auch wenn ihr euch das manchmal wünscht und das ist sehr sehr verständlich).

    Herzensgrüße
    Marion

    • Hallo liebe Marion

      Ich und wir legen keinen gesteigerten Wert auf eine bestimmte Anrede. Beides passt und triffts ja doch nie ganz 😉 , von daher finde ich es doch wichtiger, dass der „Absender“ sich wohl fühlt mit der Anrede, die er wählt. Unsere längste Vertraute hat zum Beispiel Schwierigkeiten mehr als einen von uns zu adressieren, eine andere Freundin spricht uns immer als Gruppe an und unser Mann z.B. nutzt oft sächliche/neutrale Pronomina (was in keinster Weise abwertend gemeint ist 😉 ), wenn er von uns spricht.

      Wir halten’s mit Cole Porter: Anything Goes :mrgreen:

  3. leider passt ein „Like“ hier nicht so recht…

    meins soll soviel heissen wie:
    „respekt! für den mut es aufzuschreiben.
    und danke! fürs teilhaben lassen.“

    *winke-winke* aus dem Psychotop Duisburg,

    Jason

    • Mit dem „leider“ habt ihr recht – leider… Sicher gibt es genügend Tage, an denen ich bewusst froh bin den Weg einer Konfrontation gegangen zu sein/zu gehen, aber oft oft oft wünsch ich mir einfach nur meine Unwissenheit und Ahnungslosigkeit zurück, wünsche mich zurück in eine Seelenzustand der Taubheit und einen Körper, der gar nichts empfindet. Ich mess meinen Fortschritt schon daran, dass es langsam weniger dieser „leider“-Tage gibt.

  4. ich kann da nicht „gefällt mir“ klicken, obwohl ich zutiefst von der art angetan bin, wie du, wie ihr über diese schrecken schreib(s)t.
    nein, es ist nicht „zurück“ in die hölle. weil es nicht der gleiche weg ist, denn du gegangen bist. es ist ein neuer weg in die hölle, weil du anders hingehst.
    mir stehen noch die haare zu berg von diesen folterbildern. und das war ja wohl „nur“ eine spitze des eisbergs. unglaublich, was dir angetan wurde. dir und andern. und noch immer wird.
    ich könnte kotzen, wenn ich das lese.
    danke für deinen mut und diese aufklärung und ich wünsche mir sooo sehr, dass du nicht aufgibst und deinen heilungsweg weiter gehst.
    danke für das mitunsteilen.

    herzlich, soso

    • Danke dir für deinen Kommentar, gerade für den Aspekt des „anders in die Hölle hineingehen“. Ich muss gestehen, ich habe das so direkt noch nie betrachtet. Für mich war es immer ein „auf dem gleichen Weg zurück“, obwohl dem ja gar nicht so ist. Ich bewege mich auf ganz anderen mentalen Ebenen und wenn ich das so betrachte ist es kein zurück gehen sondern neue Wege beschreiten.

  5. Hi, ich eiere jetzt schon ziemlich lange um diesen Beitrag herum und möchte doch gerne meine Gedanken versuchen dazu hier zu lassen.

    Zunächst einmal haben ich tiefsten Respekt davor, dass Ihr Euch dieser Hölle stellt. Ich glaube Niemand von den Lesern hier kann erahnen, was für Höllenqualen dort auf Euch warten.

    Ich selbst bin auch in Therapie und meine Ärztin hat mir einmal das Bild der japanischen Frauen mit auf den Weg gegeben. Diese Frauen, deren Füsse gebunden wurden, damit sie klein sind. Und sie sagte, dass Traumatherapie genauso ist, wie wenn diese Frauen sich bewusst dazu entscheiden, die Füsse wieder aufzubinden. Es ist kein Spatziergang, es tut weh und es dauert „genauso lange“ wie es gedauert hat, die Füsse zu verkrüppeln. Ich hoffe es ist in Ordnung, dass ich dieses Bild hier lasse, weil es für mich einfach sehr plastisch zeigt, was die Seele für eine Leistung erbringt, wenn sie sich dieser Hölle stellt.

    Der Unterschied ist, glaube ich, dass man sich zumindestens am Anfangt ein Stück weit bewusst dazu entscheiden kann, dass man sich den Dingen stellen möchte. Es gibt meistens, nicht immer, auch die Möglichkeit weiter in den Schutzmechanismen zu verharren und alles weg zu schieben. Ich sage bewusst meistens, weil es auch Menschen gibt und wahrscheinlich gar nicht so wenige, die eben da von der Seele reingeworfen werden und die nicht die Wahl hatten sich dem ganzen zu stellen. Aber dann hat sich die Seele entschlossen, dass es an der Zeit ist, sich der Hölle zu stellen und die Seele weiss in der Regel, wann es möglich ist, was verkraftbar ist. Von daher ist der große Unterschied, dass es von Innen gesteuert wird, Das das Innen sagt, jetzt werden wir das ganze angehen und nicht Menschen von Aussen das Zepter in der Hand haben.

    Ja Ihr habt Recht, es gibt keinen Rückfahrschein, weil die Schutzmechanismen aufgebrochen werden. Weil die Seele diese nach und nach abwirft und anfängt zu atmen. Sie nimmt die Panik, die Ängste und all diese Dinge auf einmal wahr und lernt sie zuzuordnen. Lernt zu erkennen, dass die Hölle vorbei ist, indem sie sie Stück für Stück ansieht.

    Es ist so sehr wichtig sich zwischendrin Inseln zu schaffen. Zu versuchen Auszeiten zu haben, um nicht in dem Sumpf zu ertrinken. Sofern man denn die Wahl hat. Sofern es so ist, dass man ein Stück weit Mitspracherecht bei dem Weg haben darf.

    Ich wünsche Euch viel Kraft auf dem was noch vor Euch liegt. Das es nicht einfach ist, ist hier allen bewusst. Aber ich wünsche Euch auch Menschen, die bei Euch sind, die mit Euch in den Park gehen und den See beschaun oder einfach nur bei Euch sitzen und den (unausgesprochenen) Worten zuhören.

    • Danke Seelenqualen für dieses Bild.

      Ja, du hast recht, solche Ruheinseln sind unglaublich wichtig. Und es geht ja auch noch. Sicherlich, alte Schutzmechanismen verlieren viel ihrer ursprünglichen Stärke – was ja auch angestrebt wird, denn sie haben ihre Nebenwirkungen – aber sie sind ja noch nicht vollständig verschwunden. Ich kann immer noch hervorragend dissoziieren 😉 und habe erfolgreiche Vermeidungsstrategien. Das schafft immer wieder Atempausen.

      • Zum Glück bestehe ich nicht nur aus Seelenqualen – aber lustig was aus meinem Pseudonym manchmal so wird. *lacht*

        Aber zu dem Thema Vermeidungsstrategien und Nebenwirkungen. Ich glaube auch hier weiss die Seele das richtige Maß zu finden. Mein Vertrauen in dieses „Gebilde“ wächst von Tag zu Tag, Woche zu Woche. Es ist wie mit der „Zwiebel“ Schicht für Schicht wird entdeckt, verdaut und ja…. Fühlt sich gerade mal wie blablabla…

        Manchmal ist es nur so, dass die Atempausen zwischen den einzelnen Lagen einem zu kurz vorkommen, bzw. wenn man dann in der „nächsten Schicht festhängt“ denkt, dass man das nie aushält. Nicht nochmal und nie wieder. Aber es geht vorbei und es geht weiter. Seltsam aber wahr.

        Manchmal fühlt man sich freier. Aber viel zu oft denktman, dass man Pest gegen Cholera eingetauscht hat. Doch ich glaube je mehr Freiheiten man hat, desto mehr merkt man das sich dieser beschwerliche Weg lohnt. Denn wie Du schon sagst, die Nebenwirkungen der Schutzmechanismen sind auch nicht zu verachten.

  6. Hallo,
    Dein Text hat mich sehr berührt, wirklich!
    Nun glaube ich aber, dass wir häufig das Bild der sogenannten „Hölle“, mit dem Fegefeuer verwechseln!
    Ohne Frage bedeuten Seelenschmerzen tiefste Qualen,
    doch der Schmerz ist ein Warnsignal, dass etwas nicht stimmt
    und selbst wenn die tief geschlagenen Wunden eines Tages verheilen
    wreden,
    jucken und zwicken uns die zurück gebliebenen Narben,
    bei Zeiten sehr gerne mal wieder.

    Deine Odyssee ist vielleicht keine, den jeder Schritt den Du machst,
    ist nun ein Schritt den Du alleine hast gewählt.
    Die Auseinandersetzung mit Deinen Schmerzen ist also schon Heilung
    und ich glaube,
    Dein Phönix steht kurz davor zu Asche zu zerfallen,
    um danach gereinigt, neu aus ihr aufzuerstehen.

    Glaube mir ich möchte hier keinesfalls,
    altkluge Ratschläge geben oder der gleichen und auch nicht
    so tun als wenn ich Antworten hätte.
    Ich bin nur fest davon überzeugt das es in Dir einen Ort gibt,
    der Frieden in/um sich trägt und schon immer getragen hat,
    der auf Dich wartet und in dem Du all Deine Lasten ablegen darfst,
    die Dich versuchen zu krümmen.

    Keine Reise in Dich selbst, sollte meines Erachtens nach
    den Titel „Hölle“ tragen.
    Sicherlich mag es uns wie ein unendliches Labyrinth erscheinen
    oder wie Du so trefflich aus Dante’s göttlicher Komödie die vielen in sich liegenden Kreise,
    schon beschrieben hast.
    Doch selbst Dante erkannte, das es immer wieder mal
    Menschen gibt die wenn sie in die Tiefen
    des letzten Abgrundes schauen und ihnen alles bewusst wird,
    frei und laut anfangen müssen zu lachen.

    Ich hoffe sehr das auch Du, dieses Lachen in Dir finden wirst!
    Darüber zu schreiben ist auf jeden Fall schon einmal ein sehr guter Anfang!

    Ich wünsche Dir von Herzen das Du verstehst,
    dass Du nie vom Weg abgekommen bist/warst,
    dass Du Dich nie verlaufen hast/hattest.
    Du bist auf dem Weg nach Hause,
    auf dem richtigen Weg,
    dem Weg zu Dir selbst!

    LG
    Michael
    Michael

  7. Danke dir.

    Manchmal muss ich auch wirklich herzhaft lachen.

    Ich denke ich verstehe deine Sicht einigermaßen gut, gebe dir auch in vielem Recht – nur die Analogie der Hölle, die „muss“ ich für mich beibehalten. Die ist nicht von der katholischen Tradition geprägt, kein verzehrendes Fegefeuer. Die Hölle ist eher so etwas wie ein tiefer Abgrund, der Abgrund der kollektiven Menschlichkeit. Die Hölle sind Qualen, Gebundenheit in Unwissen und Perspektivlosigkeit. Sie ist der Ort, an dem Hoffnung, wenn man es nicht vermag sie zu verstecken und zu schützen – aufgezehrt wird, der Ort, der weiter als alles andere von allem Guten im Menschen entfernt liegt.

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