Startseite » ~denken~ » Den härtestend Kampf führe ich noch immer gegen mich selbst

Den härtestend Kampf führe ich noch immer gegen mich selbst

Mein Kopf ist voll, voll mit Gedanken und voll mit Gefühlen, die ich kaum je fühle, die ich nur ein wenig begreifen kann, wenn ich sie denke. Ich könnte hier täglich 20 Beiträge schreiben – käme ich doch nur dazu.

Ich will mir ein Leben aufbauen und zwar eins, das diese Bezeichnung auch verdient. Ich will keine Reichtümer anhäufen, keine Ruhm, keine Macht. Ich will nur ausatmen können, mich einmal nicht wie ein gehetztes Kaninchen fühlen. Ich möchte genug Kraft, um mich aus meiner kauernden Haltung aufrichten zu können und mit dem Blick nach vorn gerichtet loslaufen zu können.

Meine Herkunft klebt an mir wie schubkarrenweise zäher, schwarzer Teer, so viel, dass ich kaum stehen kann, geschweige denn laufen. Er drückt mich zusammen, ich kann nur mit Mühe atmen. Oft kann ich mich selbst nur schwer bewegen, weil meine Glieder ganz von dieser zähen Masse zusammengeklebt werden. Wo auch immer ich bin, ich hinterlasse schwarze Spuren.

Es ist geistiger Unrat, mit dem Herkunftsfamilie und RiGaG mich großzügig überschüttet haben.

Es ist heute überhaupt nicht mehr nötig mich auf Schritt und Tritt zu überwachen. Das war es wahrscheinlich auch nie. Es hat ja ausgereicht mir beizubringen, dass meine „Herren“ überall sind, dass sie alles wissen, selbst meine geheimsten Gedanken und Wünsche sind vor ihnen nicht verborgen. Methoden der Bewusstseins- und Verhaltenskontrolle, ein paar Special Effects und wohlüberlegte Drehbücher für scheinbar zufällige Begegnungen haben genügt um mich von der Allmacht der RiGaG zu überzeugen.

Sie brauchen nicht das Telefon abzuhören, sie haben Anteile in unserem System geschaffen, die auf Anfrage alles preisgeben, was ein autorisiertes Mitglied der RiGaG oder Herkunftsfamilie wissen will. Sie brauchen nicht permanent um uns zu sein, sie haben Anteile geschaffen, die uns auch so ohne Unterlass bedrohen und sabotieren.

Es gibt kaum Menschen auf der Welt, mit denen wir darüber sprechen können und noch weniger können überhaupt nachvollziehen, wie es uns damit geht. Ich wünsche mir so oft einmal zu erleben, wie ein normaler Mensch denkt und fühlt. Ich sehe nur immer wieder, war anders meine Gedanken strukturiert sind. Ich muss so viel Kraft aufwenden um sie nicht nach außen durchscheinen zu lassen, um möglichst normal zu wirken.

Meine Gedanken quälen mich und ich kann nicht auf Dauer vor ihnen davon laufen. Die Droge wurde noch nicht erfunden. Meine Überzeugungen beeinflussen meine Entscheidungen und auch wenn ich vermute (denn wie kann ich wirklich etwas wissen?), dass die Realität eine andere ist, wüsste ich nicht, wie ich mich mir selbst widersetzen könnte.

Ich will ja kämpfen, auch wenn meine Überzeugung hauptsächlich darauf fußt, dass es wahrscheinlich das richtige wäre – aber wie und mit welchen Waffen?

Advertisements

12 Kommentare zu “Den härtestend Kampf führe ich noch immer gegen mich selbst

  1. Ich fühle mit euch ♥. Manchmal geht vielleicht nur, für einen Moment alle Waffen sinken zu lassen, weil selbst sie zu halten zu schwer wird.

    Mitfühlende Grüße
    Marion

  2. Von der Theorie her ist Dir sicherlich bewusst, warum und wieso diese Gedanken so hartnäckig sind. Was würdest Du einer anderen Person, die Dir das erzählt raten?

    Ich glaube, dass diese so fest verankerten Strukturen die sind, welche am schwersten aufzulösen. Man hat die Ambivalenz in sich selbst verknotet. Weiss vom Kognitiven her, warum und kann sich emotional nicht von lösen. Puh, ich glaub ich versteh mich gerade selbst nicht so ganz.

    Deine Frage, welche Waffe Du verwenden musst, um die Gedanken neu zu strkturieren, ist schwer zu beantworten. Ich habe andere Gedanken, die mich fesseln und mir Veränderungen in meiner Existenz schwer machen. Mir hilft es darüber zu reden, in der Therapie und mit Freunden, die mich verstehen. Doch auch das geht oftmals nicht. Weil es sich gefährlich anfühlt darüber zu sprechen.

    Ich glaube, das es ein erster Schritt ist, wenn man sich dessen überhaupt bewusst wird. Ein zweiter eventuell es aufzuschreiben und mit ausgewählten Personen darüber zu sprechen. Sich von Aussen Reflektion zu holen. Aber es bleibt ein innerer Kampf, welcher viel Kraft kostet.

    VG von einer, die glaubt, das Geschriebene zumindestens ansatzweise nachvollziehen zu können…

    • Wie immer gute Worte dafür gefunden.

      Tja, was könnte unsere Waffe sein? Womit ich uns beide meine, da du ja schreibst wie vertraut dir derartige Denkmuster sind. Ich glaube ja es sind die gegenteiligen Erfahrungen, die man macht – und das Lernen sie zu erkennen. Wahrscheinlich braucht’s da noch einiges anderes, aber genau das möchte ich ja lernen.

      • Ehrlich gesagt wäre es mir lieber ein Patentrezept rüber schicken zu können, anstatt gute Worte oder besser noch einfach Schnippen und auflösen den Knoten.

        Aber wahrscheinlich wäre das auch nicht ugt, denn ob so eine Wunderlösung dauerhaft halten könnte, mag ich bezweifeln. Gegenteilige Erfahrungen machen und diese erkennen. Und es ist so schwer sie zu akzeptieren, wenn man sie erkennt, weil man doch immer wieder einen Punkt findet, wo man denkt, dass dem ja gar nicht so sein kann, oder? Jedenfalls ist das bei mir so. Man ist so unheimlich schnell zu verunsichern in den Dingen, die man nicht fest in sich verankert hat und die gegen Festungen ankämpfen müssen.

      • Genau darum hoff ich auch irgendwann irgendeine Lösung zu finden, irgend eine Methode, die einem hilft neue, gute Erfahrungen besser zu integrieren. (Selbst)Hypnose vielleicht? Gute Affirmationen könnte man so besser festigen. Meditation? Auf jeden Fall glaube ich, dass man auch noch mit und in anderen Bewusstseinszuständen arbeiten muss.

  3. Du was mir da einfällt. Mein Therapeut hat einmal versucht mittels EMDR positive Sätze gegen negatives Empfinden zu verankern. Hat irgendwas davon erzählt, dass man da dann langsamere Bewegungen macht.

    Bei mir ist das leider gescheitert, weil es mich völlig zerbröselt hat. Aber ich kann mir vorstellen, dass es helfen könnte. Nur muss man halt bei EMDR echt aufpassen. Es gibt so viele Scharlatane in diesem Bereich, die nur ein Wochenendseminar besucht haben oder so. Ich würde immer darauf bestehen, dass man bei einem Dachverband organisiert ist, wie z.B. EMDRIA. Und bei sich selbst als eine Art Selbsthypnose wär glaub ich auch gefährlich. Dennoch wollte ich Dir das da lassen, weil ich denke, es könnte bei der Suche nach einem Therapeuten auch Thema sein, welche Qualifikationen dieser neben der Gesprächstherapie noch hat.

  4. auch wenn ich nicht das gleiche gesundheitliche thema mit mir herumtrage, kenne ich doch sehr ähnliche sehnsüchte. und auch ähnliche gefühle. endlich mal normal zu sein, eine hoffnung, die ich noch immer habe. und doch, ist das normalsein überhaupt vorhanden? ist jemand denn wirklich normal und was genau ist es?

    danke für deine offenheit. danke für deinen text und dass du damit nicht zurückhältst!

  5. Das ist das, was mich immer wieder schmerzt, wenn ich sehe, wie andere für ihre Selbstvewirklichung darauf pochen, außernormal zu sein, darauf bestehen und damit prahlen, nicht gewöhnlich zu sein. Schon früh habe ich gemerkt, Menschen, die wirklich aus der normalen Welt ausgehebelt worden sind, wünschen sich nichts sehnlicher als eben diese Normalität.

    Weißt du, was du durchmachst ist die Konsequenz, dass du von vorneherein mit einem ganz anderen, ganz (für „Normale“) fremde, völlig magischen (im negativen Sinne) Welt aufgewachsen bist. Die Grundannahmen, das Grundbild, das du von Menschen und Umgebung, von Beziehungen und vielleicht sogar Naturgesetzen vermittelt bekamst, steht im völligen Kontrast zu dem, was unsere Realität hier ist. Und die Tatsache, dass dir vermittelt wurde, dass deren Weltbild stimmte, indem sie dich wirklich kontrollieren konnten und Schicksalsschläge selbst einsetzten, um sich selbst Recht zu geben und dich zu „züchtigen“, macht es dir/euch so verdammt schwer, an diese neue Realität von uns „Normalen“ zu glauben. 😦

    Wenn du nur begreifen könntest, dass diese neue „normale“ Realität dann in Kraft gesetzt worden ist, als du deinen Fuß aus diesem Verein gesetzt hast – und wenn du nur begreifen könntest (richtig fühlen mit jeder Faser deines Körpers / eures Herzens), dass all die RiGa-widerlegenden Ereignisse tatsächlich echt sind, dass du tatsächlich geliebt wirst, dass du tatsächlich Beziehungen eingehst, ohne dass die Person stirbt oder danach direkt *** wird, dass du etwas tun darfst, das für DICH ist, ohne dass du direkt bestraft wirst – wenn du es schaffen könntest, diese Dinge höher zu gewichten, sie richtig auszusaugen, sie zu malen, schreiben, im Grunde als Thema zu vertiefen und auszubauen, bis du es glaubst, glaubst und glaubst … dann könnte ich mir vorstellen, dass du immer mehr Momente der Normalität (oder des Glücks) empfinden kannst.

    Im Moment scheint das Normale noch keine formfeste Realität für dich zu sein, sie scheint dir zu vergänglich, zu unglaubwürdig, als würdest du sie greifen wollen, aber als würde sie dir aus den Fingern gleiten wie ein zappelnder Fisch. Vielleicht kannst du dieses Vergängliche bekämpfen, indem du dich darin trainierst (vielleicht sogar in Form von Rollenspielen, ja ich weiß, sehr grotesk bei einer Diss. PS mit Rollenspielen zu kommen), immer wieder die Grundannahmen dieser (normalen) Welt so fest in dir zu verankern, dass sie ein Übergewicht ergeben.

    Das alles ist leichter gesagt als getan, ich weiß. Aber ich glaube, wenn du einen guten Therapeuten oder eine gute Therapeutin findest, hast du schon die halbe Miete.

    Tut mir Leid, wenn ich so unverständlich geschrieben habe. Meine Gedanken dazu sind sehr konfus, denn ich muss mich irgendwie in dich und deine Welt reindenken; und natürlich ist auch das nicht einfach. Und dennoch haben wir diese Schnittstelle geteilter Realität, die es uns ermöglicht, miteinander zu schreiben. Weißt du? Ich finde, das ist eine Basis, dass du weißt, dass wir alle eine Schnittstelle haben.

  6. Hi ihr!
    Viel sagen kann ich nicht. Nur, dass ich diesen Kampf und das was ihr geschrieben habt auch kenne. Auch wenn ich vieles nicht bewusst ist. Auch wenn ich vieles noch nicht weiß also die Hintergründe. Dennnoch kenne ich diesen Kampf…. Gegen mich… Gegen die Grenzen… Ums Überleben… Darum, irgendwann einmal zu leben…

    Weidenkätzchen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s