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Das Jahr der Therapie

Ich bin unglaublich müde.

Gut, dass mag auch an dieser doch fortgeschrittenen Stunde liegen… an Schlaf ist dennoch nicht zu denken, obwohl ich die Augen kaum offen halten kann. Praktischerweise tippe ich ohnehin immer blind und um die zahlreichen Fehler kümmere ich mich dann, wenn ich ein paar Streichhölzer gefunden habe.

Ich hatte eigentlich eine Menge vor, was den Blog betrifft. Viele Artikel liegen auf Halde, lediglich die letzten Paragraphen fehlen, den aktuellen Kalender für Ritualfeiertage wollte ich auch schon längst fertig haben… so vor zwei Monaten, aber ich komme nicht dazu.

Ich habe ja selbst das Jahr 2014 und das Motto „Jahr der Therapie“ gestellt, da ich nach hier bereits mehrfach erwähnter Odyssee endlich überaus geniale Therapeuten gefunden habe. Es ist ja nicht so, dass ich keine Therapieerfahrung hätte – au contraire – nur lässt sich da kaum etwas vergleichen. Wir haben in den vergangenen Jahren Ausweichtechniken zur Kunstform erhoben und häufiger, als es sein sollte, haben wir innerhalb der Sitzungen die Eigenanteile der Therapeuten bearbeitet. Wenn es „gut“ lief, dann gab es ein Brainstorming und wir haben jede Menge Interventionen gelernt, die im besten Fall nicht funktionierten, meist aber das konkrete Problem verschlimmbesserten. Immerhin, so lernt man auch.

Ich muss zugeben, dass, als wir unsere jetzige Traumatherapeutin fanden, viele Sorge hatten an so eine „Kuschelpädagogin“ zu geraten. Bei der Suche sind wir einigen solcher Exemplare begegnet. Mitleidstour; Mutterersatz für die armen kleinen traumatisierten Innenkinder sein – natürlich nur, wenns süße und nette sind, Stress unerwünscht, da selbst null stressstabil. Eine wollte uns dann im Erstgespräch regelrecht einreden, dass wir in einer satanischen Sekte noch immer bis Unterkante Oberlippe drinstecken, dass die Täter uns schon bis zu ihr gefolgt sind und dass sie nun in Gefahr wäre. Tat mir ja fast leid ihr zu erklären, dass sie sich in der Ideologie etwas getäuscht hat und dass destruktive Kulte weitaus effektivere Methoden haben ihre „Schäfchen“ wieder einzunorden… und wer davon lebt, dass es ihn eigentlich nicht gibt, wird kaum so blöd sein sich ner kleinen, unbedeutenden Therapeutin entgegenzustellen, die er weder einschätzen kann und deren Einschüchterung nicht gewinnbringend ist, weil sie eben nicht ins Wespennest sticht, so wie diverse Ärzte und Therapeuten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Machenschaften diverser destruktiver Kulte oder Kinderpornoringe offenzulegen. Ich habe dort (natürlich) etwas weniger drastische Worte gewählt um mich und meine Situation zu erklären. Als ich nach Hause fuhr ärgerte ich mich. Neues Futter für Anhänger der False-Memory-Bewegung. Danke. Is ja nich so, als hätte man es nich schon schwer genug. Wie dem auch sei: wer seine Fakeritis umfassender ausleben will und endlich mal erfolgreich jemandem weiß machen möchte, dass er ein ach so gebeutelter Kult-Multi ist und das für sein Ego schriftlich brauch… ich hätte da ein paar Adressen, zertifizierte Täterkontakt inklusive

Nein, ich bin nicht frustriert… das scheint nur so. Is wie Kaffeekränzchen im Altenheim. Leid is hip.

So, darüber wollte ich mich eigentlich gar nicht auslassen. Wo war ich denn…? Ach ja… weibliche Traumatherapeutin. Wir haben eine und danken täglich der sich zuständig fühlenden Deität dafür. Keine unserer Befürchtungen hat sich bewahrheitet. An sich haben wir ein großes Problem mit Frauen zusammen zu arbeiten und wir sind es mittlerweile müde immer wieder unsere Welt, wie und wo wir aufgewachsen sind, die Strukturen, unser Erleben und was weiß ich nicht noch alles zu erklären. Hier müssen wir das zum allerersten Mal nicht. Nope. Oft genug erklärt die Therapeutin uns unsere Welt und eröffnet und völlig neue Perspektiven. Das ist selten schöne und nie einfach, aber wir haben das Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es ist merkwürdig jemandem gegenüber zu sitzen, der weiß, wovon wir reden, weil er es nicht zum ersten Mal hört, weil er eine Menge Erfahrung mit sich bringt.

Es ist Erleichterung pur – auf der einen Seite

Die andere Seite ist harte Arbeit – was wir ja wollten, denn Therapielight hatten wir schon, Erfolg mäßig – und saumäßig anstrengend. Wir dachten wir sind schon recht weit, haben unser Weltbild bereits auf den Kopf gestellt, was schmerzhaft war… und jetzt müssen wir uns damit konfrontieren, dass noch eine ganze Menge der schützenden Mauern, die wir um uns errichtet haben, niedergerissen werden müssen. Wenn wir nicht aufhören die Themen geschickt zu umschiffen, die unsere wirklichen Probleme sind, können wir auf ewig so weitermachen. Wir könnten Pseudoprobleme vorschieben, mit ein bisschen Kreativität lässt sich da ein bunter Strauß zusammenbinden. Wir verfluchen und danken oben erwähnter Deität dafür, dass diese Therapeutin sich keine Geschichten erzählen lässt, dass sie das nur am Rande interessiert. Sie hat ein Talent hinter jede Äußerung, hinter jeden stressinduzierten Lachanfall oder das fluchtartige Verschwinden einer Innenperson und das plötzliche Auftauchen einer augenscheinlich unbeteiligten und desorientierten Innenperson zu schauen. Keine Spielchen. Welch eine Erleichterung… und ein wenig Scham, dass man zu viele dieser Ablenkmanöver beherrscht.

Ja, sie macht uns eine Menge Arbeit. Es werden oft so viele Themen (nicht immer absichtlich) angesprochen, dass wir Buch führen müssen, um den Überblick nicht zu verlieren. Wie es innen aussieht vermag ich noch nicht in Worte zu fassen. Chaos ist ein so ausgelutschter Begriff und trifft den Kern auch nicht. Die unterschiedlichsten Emotionen, Kognitionen und die Anteile, die sie tragen wurden „aufgeweckt“… da tritt man bisweilen lieber in Verhandlungen mit sämtlichen Warlords dieser Welt.

In all diesem Durcheinander versuchen wir dann die innere und äußere Sicherheit zu gewähren, nicht nur für uns, sondern auch alle, die uns nahe stehen.

Wir wagen einen Schritt, um den wir uns in dieser Form schon seit bestimmt 10 Jahren drücken – einfach weil wir eine Heidenangst hatten. Wir sind dabei mehrere sogenannte Schutzbriefe zu verfassen. Heißt: Taten werden dokumentiert. Wer hat wann und wo was gemacht. Das wird versiegelt und einem Notar oder Anwalt übergeben. Wir legen fest unter welchen Bedingungen diese Dokumente der Polizei übergeben werden. Das mag im Falle unseres Ablebens sein, eines Übergriffes auf uns oder uns nahe stehende Personen, es gibt da diverse Möglichkeiten und aus diesem Grund fertigen wir unterschiedliche Schutzbriefe an.

Irgendwie hört es sich sehr simpel an. Man schreibt was auf, packts in einen Umschlag und Ruhe is. Wären da nicht die ewigen inneren Kämpfe. Da gibt es die, die am liebsten sofort Anzeigen würden, andere, deren Angst so groß ist, dass sie es schaffen den gesamten Körper zu paralysieren, es gibt die, die noch immer jeden Mist glauben, der in Täterkreisen verzapft wurde und loyal hinter ihren „Meistern“ stehen… und die, die sich zurück in das Leben sehen, dass sie kennengelernt haben, die wissen, dass Freiheit auch etwas Schreckliches ist und die sich nicht stark genug für diese Welt fühlen. Für jemanden von Außen ist das selten zu verstehen. In unserem Kopf herrscht jetzt offiziell Krieg.

Es kostet eine Menge Kraft… diese Therapie… aber was wir dort lernen und erarbeiten ist gut… endlich hilfreich… endlich Aussicht auf ein anderes Lebensgefühl, ein besseres. Ich fang jetzt nicht an mit Worten wie „endlich Freiheit“ um mich zu werfen. Ich bezweifle, dass wir in Freiheit überleben könnten… aber so ein paar Schritte in die Richtung sind wohl nicht schlecht.

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7 Kommentare zu “Das Jahr der Therapie

    • Wenn ihr wüsstet wie recht ihr habt. Das Thema „spannend“ und „Therapie“ scheint hier gerade doch sehr viel (teilweise redundantes… aber ich hab ja ne gute Ausrede, ich bin nur eine von Vielen und krieg auch nicht immer alles mit… und sollte öfter mal lesen, was hier so geschrieben wird… dann würd ich vielleicht feststellen, dass meine neueste Erkenntnis, schon mind. drei andere Personen hatten… :mrgreen: ) und ich hab den Kommentar in einen Beitrag kopiert, da ich glaube ich muss da mehr eigene Gedanken loswerden (gut, ich krieg grad aufn Deckel, wenn ich hier ne Solonummer abziehe… einige unserer Gedanken… *so, zufrieden? Tuts heut gut den Multi raushängen zu lassen ^^?*), denn spannend, Therapie und wir in einem Satz löst einiges aus.

      In diesem Sinne wieder einmal ein riesiges Dankeschön an euch und wie immer einen Tag, der euch auf jeden Fall ein Lächeln schenkt, selbst wenn der Rest schrottig war.
      Pandora (heißt in diesem Fall Jette, die sich versucht durchzusetzen 😉 und immer mehr … ja fast gefallen… an dieser Übung zu finden)

      • Hallo Jette, ich find´s toll, dass Du Dich zeigst und aufmerksam bist für das, was DICH ausmacht, also Dich persönlich und Deinen Platz „im großen Ganzen“- denn so liest sich das Ganze für mich… Mutig find ich Dich und Euch! 🙂 Alles Gute und liebe Grüße!

  1. Hallo Pandora,

    wenn ich das richtig überblicke sind Deine Innenpersonen nicht aus netten, menschenfreundlichen Anlässen entstanden. Von daher kann man nicht erwarten,daß sie sich durch Kuscheltherapie und Ausflüchte beeindrucken lassen. Erwartest Du auch nicht. Der Krieg ist daher unvermeidbar, aber ich habe volles Vertrauen in Deine Truppenstärke 😉

    Weshalb ich aber eigentlich die Tastatur mißhandel sind die „Schutzbriefe“. Was auch immer darin steht, Du denkst an die Verjährung, ja? Und das mit dem Finden ist auch so eine Sache. Nur für den Fall Deines – ähem – Ablebens ist das recht einfach zu lösen. Alles in einen Umschlag, als Testament bezeichnen und zum Amtsgericht tragen. Kostet allerdings eine Gebühr, die aus der Höhe des Nachlasswertes bestimmt wird. Dafür wird die Bombe aber garantiert zum Platzen gebracht.
    Bombadil

    • THX Tom (ich hoffe es ist ok dich so zu nennen, die Assoziation ist seit Jugendtagen fest ins Hirn eingebrannt 😉 )

      Es tut gut, wenn es Menschen gibt, die darauf vertrauen, dass man uns – womit ich jetzt die Parteien meine, die sich in dieser „hellen“ oder „normalen“ Gesellschaft etablieren wollen – Vertrauen entgegenbringt. Etwas, was uns schwer fällt. Vielleicht weil wir die innere Zerrissenheit spüren und schon oft genug erlebt haben, wie leicht es ist sich zu dem alten Leben verführen zu lassen. Das ist ja das Problem, mensch verharrt lieber in der Höhle, die er kennt, als ins gleißende Sonnenlicht gezerrt zu werden und metaphorisches Gras unter den offenen Fußsohlen zu spüren. Es ist nicht leicht neues Terrain zu betreten, etwas, was wir schon getan haben. Wir haben dort, in der „normalen Welt“ versucht normal zu leben, hatten jemanden, der uns sagte, wie es „richtig“ ist. Daran orientierten wir uns. Wir schafften dieses heile Welt Leben nicht. Das innere Gleichgewicht, dass sich etabliert hatte, nämlich dass die, die weg von der RiGaG wollten, kippte. Eine Menge von Tätern etablierte sich selbst erfüllende Prophezeiungen hinterließen Verzweiflung und damit wurde genau das erreicht, was von Täterseite gewünscht war. Wir fanden uns fernab der vertrauten Kreise nicht mehr zurecht. Zu unserem Glück haben wir lernen dürfen, dass auch diese mitmenschlich geteilte Gesellschaft und Realität viele Nischen für Unkonventionalität bietet – und dass es Menschen gibt, die uns vertrauen und wollen, dass wir wir selbst sind und werden… und nicht ein Abziehbild dessen, was jemand für gesellschaftlich angemessen hält.

      Ich glaube auch wir haben innerlich an Stärke gewonnen, auch wenn wir uns selbst noch nicht trauen können und dieses Vertrauen „borgen“ müssen.

      Was die Schutzbriefe betrifft könnte man sie eher als eine Art Lebensversicherung bezeichnen. Verjährung ist da kein Thema, denn einige der Straftaten, die wir auch juristisch relevant dokumentieren können, sind bereits verjährt. Anderes nicht. Für einen Prozess fehlt uns aber leider die Kraft – noch. Dafür sind wir noch zu zerrissen und schutzlos. Darum diese Lebensversicherung. Die Betreffenden werden informiert und die Dokumente werden versiegelt und bei einem Anwalt oder Notar untergebracht.

      Auch wenn viele juristisch nicht mehr belangt werde können und ich wette, dass eine Menge unter den Teppich gekehrt wird, so wie wir es schon am eigenen Leib erfahren haben, einiges wird haften bleiben und einige Leute werden Schaden an ihrem ach so wichtigen und wohl gepflegten Ruf nehmen.

  2. Für Dich natürlich Tom, Pandora! 😉 Und weil ich die Schutzbriefidee so faszinierend finde, gleich noch einen unverlangten Tip: heutzutage arbeitet man gerne mit verschlüsselten Dateien, für die zu gegebener Zeit das Passwort herausgegeben wird. Nur so als weiteren Denkanstoß.
    Tom

    • Danke für den Denkanstoß… und auch, wenn es vielleicht zu altmodisch ist… da traue ich den digitalen Möglichkeiten noch zu wenig.

      Aber bis ich überhaupt soweit bin das erste Dokument juristisch verwertbar fertiggestellt zu haben, wird noch einige Zeit verstreichen…

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