Praying For Rain

Wir waren Jugendliche in den 90ern (damit könnt ihr auch ungefähr erahnen, wie alt wir sind). Es war eine harte Zeit und mit 16 beschlossen wir von zu Hause fortzugehen. Wir hatten ein Jahr zuvor unser viertes Kind geboren, ein kleiner Bub, der uns direkt nach der Geburt weggenommen wurde und von einer anderen Familie, die stark in die RiGaG eingebunden war, aufgenommen wurde. Wir konnten einfach nicht mehr. Erste Ansätze von Rebellion gegen die Familie und die RiGaG führten dazu, dass wir weg liefen. Wir brachten tausende von Kilometern zwischen uns und unsere Herkunft, immer in der Hoffnung auf Freiheit. Die Abhängigkeit in unserem Kopf schafften wir noch nicht abzulegen und es sollte noch 10 weitere Jahre dauern, bis wir den Ausstieg endlich geschafft hatten. Wir konvertieren zum Christentum, ließen uns taufen, beteten und hofften. Wir wussten, wir waren nicht würdig Gott von Angesicht zu Angesicht entgegenzutreten, aber wir beteten und hofften weiter, dass wir es eines Tages schaffen würden.

Noch heute danken wir den Menschen, die uns aufnahmen und uns ein vollkommen neues Leben zeigten. Wir lernten Musik kennen, Musik, die aus dem Herzen kommt, Musik, die in der Lage war Herzen anzurühren. Wir lernten Glaube und Gebet kennen und auch, wenn wir uns heute weiterentwickelt haben, uns von den traditionellen christlichen Sichtweisen entfernt haben, so hat diese Zeit doch einen ganz besonderen Samen in uns gelegt, der gewachsen ist – sich auch verändert hat – und unser weiteres Leben ganz nachhaltig bestimmt hat: wir lernten Hoffnung kennen.

Über Theologie lässt sich diskutieren (etwas, was wir mit Vorliebe tun), aber einige der Werte, die wir da kennengelernt haben, begleiten uns bis zum heutigen Tag.

Halt haben wir da in der Musik gefunden. Wir haben gelernt Musik zu finden, mit der wir uns identifizieren konnten und gleichzeitig unsere eigenen Gaben zu nutzen (wenn wir mal ganz mutig werden, teilen wir auch unsere eigene Musik mit euch).

Eines der Stücke, dass uns durch viele schwere Zeiten begleitet hat war „Pray for Rain“ von PFR und dieses Lied möchten wir gerne mit euch teilen:

Born in a dry season
Wind and sand have blown through me
Haven’t found shade anywhere
Only moments of relief
But sometimes I think I hear the thunder
Somewhere on the horizon line
If i could just find a way to get under
The rain that can reach this soul of mine

(chorus)
I pray for rain to come
And wash away what’s made me numb
I pray for a raging storm
To drown what’s in me
And the rain comes in the nick of time
I swallow hard cause my throat’s been dry
The rain comes beating on my skin
Till I’m washed away – nothing left within
When the rain comes
Your rain comes

Seasons have passed so quickly
Since I felt that first big storm
Still there have been times of drought
When i’ve prayed for the clouds to form
And I often hear the thunder
And I know of its coming rain
Many times in my life I’ll kneel under
The moving showers that brought this change

Quelle: youtube

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Tea and Sympathy

Die finstere Jahreszeit hat sich – wie jedes Jahr – auf hinterhältigste Art und Weise angeschlichen und „Buuhh!!!“ gemacht.

Hab ich nicht erst letzte Woche um 10 Uhr Abends mit Freunden auf dem Balkon gesessen, in den noch hellen Abendhimmel geblickt und genüsslich an einer Bierflasche genuckelt? Ich kann mich noch dunkel an so eine helle Scheibe am blauen Himmel erinnern. Sonne? Heißst das so? Irgendwas war da.

Gerade, wenn das Wetter so ist, wie im Moment in diesem Teil des Kontinents, darf man sich als unverbesserliche Frohnatur sehen, wenn einem die Dunkelheit nicht aufs Gemüt schlägt. Und dann noch die Vorfreude auf all die tollen (Familien)Feste *yeay* (<- man möge sich den Sarkasmus in diesem Ausruf bitte auditiv vorstellen).

So begannen wir von ein paar Jahren kleine Rituälchen zu installieren, Dinge zu sammeln, die wir an Herbst und Winter mögen, kleine Tätigkeiten, die positiv besetzt sind.

Wenn die Tage kürzer werden, wird die Teekanne abgestaubt (dieses Jahr gabs sogar eine neue, von der Insel importierte), Stövchen und Teeutensilien ausgepackt. Die Schublade ist mit den verschiedensten Teesorten gefüllt, was fehlt wird umgehend im nächsten Teeladen käuflich erworben. Oft freu ich mich schon im Sommer darauf im Herbst aus dem Nieselregen nach Hause zu kommen, mir trockene Sachen anzuziehen und eine schöne Kanne Tee zu mach. Das ist etwas, das ich für mich tue. Es ist eine einfache, kleine Sache, hat nicht dieses ominöse ich-tu-mir-jetzt-was-Gutes-und-umsorge-mich-Label und es ist daher nicht so sehr nötig verschrobene, innere Widerstände zu überwinden.

Zum Tee zünde ich mir Kerzen an, vorwiegend Teelichter in kleinen Gläsern und kurze, weiße Stumpenkerzen – in anderen Gläsern. Kleine Lichter im Dunkel. Hier schafft es ein Gefühl von Höhle. Überschaubarer erleuchteter Raum in der Finsternis.

Und ja, ein bisschen hilft es.