Alison Miller – Arbeit mit traumatischen Erinnerungen und die Zerstörung von Mind Control/Programmen (Vortrag engl.)

Zugegeben eine sehr freie Übertragung des Titels des Vortrags, den Alison Miller im Rahmen einer Konferenz im Sommer hielt.

Sie arbeitet seit Jahrzehnten mit Überlebenden ritueller Gewalt. Einige der angesprochenen Themen finden sich auch in ihrem aktuellen Buch spezifisch für Überlebende von organisiertem Mind Control „Werde we du wirkllich bist: Mind Control und Rituelle Gewalt überwinden“

Vortrag in englischer Sprache, einige Inhalte könnten als triggernt empfunden werden. Bitte achtet auf euch

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Auf Trauma basierende Bewusstseinskontrolle und ritueller Missbrauch an Kleinkindern – Interview mit Andrea Sadegh

Interview von Klagemauer.tv mit Mag. phil. Andrea Sadegh: auf Traumas basierende Bewusstseinskontrolle & ritueller Missbrauch an Kleinkindern. Frau Sadegh kann hier aus erster Hand einer Bezugsperson eines betroffenen Kleinkindes berichten. Sie hat sich offensichtlich auch sehr intensiv mit dem Thema Mind-Control und rituelle Gewalt auseinandergesetzt und selbst eine Initiative gegründet: http://www.traumabasedmindcontrol.com

Ich finde dieses Interview sehr interessant, weil sich hier jemand kompromisslos in die Öffentlichkeit stellt, trotz aller Repressalien und den Mut hat auch in die Tiefe der Thematik zu blicken. Auch weil die Sichtweise eine ganz andere ist. Ich kann nur von innen schauen, durch Filter von Programmen und Mind Control, die vieles verzerren. Daher ist es für mich spannend zu hören, wie jemand von außen, der sich so intensiv in diese Parallelwelt der RiGaGs eingefuchst hat, diese betrachtet.

 

Quelle: youtube

Interview mit Jessie Marsson, einem Überlebenden von ritueller Gewalt

Jessie Marsson ist ein Überlebender von ritueller und anderweitig organisierter Gewalt und berichtet von seinen Erfahrungen (Berichte über seine Erfahrungen mit ritueller Gewalt in der sog. „Odin-Sekte“ beginnen bei 0:51:25). Es werden auch harte Themen angesprochen, die nichts für schwächere Mägen sind und selbst-Betroffene auch stark triggern können. Bitte achtet beim betrachten des Videos auf euch selbst.

Zugegeben, einiges kann nach einer Prise zu viel Verschwörungstheorie klingen, allerdings sollten diese wenigen Elemente nicht dazu führen, dass man den gesamten Bericht von Jessie Marsson vollständig ins Reich der Märchen verbannt, nur um besser schlafen zu können.

Das Interview wurde von Jo Conrad von bewusst.tv geführt.

Quelle: youtube, bewusst.tv.

Persönlich möchten wir noch anmerken, dass wir einige Weltanschauungen, besonders dies sehr konservativen, von Herrn Marsson und Herrn Conrad nicht teilen. Für uns ist das an dieser Stelle kein Grund die Videos nicht zu teilen, da von stärker rechts-gerichteten Äußerungen Abstand genommen wird. Wir bewundern den Mut beider Herren sich mit einem so heiklen Thema auseinanderzusetzen. Wir selbst haben noch (ja, das ist eine Kampfansage) nicht die Chruzpe, wir sammeln noch.

„Kultidentität“

Kultidentität.

Ein Begriff, den unsere Therapeutin geprägt hat. Ein Begriff der uns offenbar hilft das wie im uns zu verstehen. Kompliziert ausgedrückt? Ist es wohl auch. Trotz eines nicht zu verleugnenden Aha-Effektes bei den Ausführungen unserer Therapeutin, wirft es mindestens genau so viele Fragen auf, wie es zu beantworten scheint.

Wir sprachen über unsere Lebens- und (damit) auch Therapieziele. Wir sind schon einen langen Weg gegangen, haben ja schon einiges erreicht. Sind schon in einige Untiefen unserer Seele vorgedrungen, aber anstatt den Boden des Abgrundes erkennen zu können, scheinen wir (gefühlt) ein Fass ohne Boden zu sein.

Sein vielen Jahren suchen wir ja schon nach einer/m erfahrenen TherapeutIn, der/die bereit ist sich gemeinsam mit uns in diese Untiefen vorzuwagen.

Bisherige Therapien hatten eher „kosmetische“ Ziele. Jeder Therapeut machte uns deutlich, dass es zuerst wichtig ist, dass wir (möglichst unauffällig) in der Gesellschaft funktionieren (cool, da hätte meine Familie, als sie es herausfand gar nicht so ausflippen müssen, es wollten ja alle das gleiche)

Zunächst ging es darum die Essstörung zu überwinden, wen von dem krankhaften Untergewicht -> Ziel erreicht (gut, seien wir ehrlich, das Essverhalten ist immer noch gestört und was das Untergewicht betrifft sind wir über’s Ziel hinausgeschossen).

Es ging darum die Selbstverletzung, die damals massiv war und eingeschränkt werden musste, wenigstens der Schaden an Knochen und Weichteilen -> Ziel in dem Sinne erreicht. Selbstverletzung ist selten und passiert nur noch in Situationen mit großem Druck, die neu für uns sind (intensive Gefühle) und wo sonst wirksame Skills scheitern.

Es ging um die äußere Funktionalität. Von irgendetwas mussten wir ja leben, also war wichtig, dass wir auf der Arbeit zurecht kamen, dass wir nebenbei unser Studium bewältigen konnten und die parallel laufenden Ausbildung -> Ziel lange erreicht. Wir haben Skills gelernt mit bestimmten Triggern, die wir nicht vermeiden konnten umzugehen -> Ziel erreicht.

Wir haben gelernt uns als System zu akzeptieren, jede Menge Psychoedukation gemacht. Verstehen gelernt, warum das, was man hatte eben keine Schizophrenie ist, sondern Dissoziation. Das war wohl eher ein Nebeneffekt oder etwas, was wir einem damals noch sehr unerfahrenen, aber sehr verbissenen Therapeuten zu verdanken hatten (der uns davor bewahren konnte dauerhaft und ohne Aussicht auf Ausstieg in ein Programm für Schizophrene Menschen, die nicht mehr für sich sorgen konnten, zwangseingewiesen zu werden – man bedenke: damals hatten wir einen Job, eine gerade erfolgreich abgeschlossene Ausbildung und waren auch akademisch erfolgreich, dazu ein soziales Netz und tragfähige Beziehungen… aber das ist eine ganz andere Geschichte, damit könnte ich Bücher füllen und nicht nur ausschweifend vom Blog-Artikel Thema ablenken 😉 ). Dieser Therapeut leitet heute, 9 Jahre später übrigens recht erfolgreich eine wunderbare Institution, die sehr vielen psychisch Beeinträchtigten Menschen eine gute Stütze ist. Und auch wenn wir damals nur philosophiert und gemeinsam Unmengen an vorhandenem Material durchforstet haben, ihm die Freude einer (ein Jahr lang dauernden) ausführlichen Differentialdiagnostik gegönnt haben, so war das nicht ganz beabsichtigte Ziel: Erkenne dich selbst -> erreicht.

Auf sein Geheiß machten wir uns dann wieder auf die zermürbende Suche nach guten Traumatherapeuten. Oft wurden wir mehr oder weniger abgewiesen, weil z.B. noch der Studienabschluss ausstand. Das solle man doch bitte zuerst machen.

Den Therapeuten, den wir fanden, hat sich immerhin unserer angenommen. Auch hier war das erklärte Ziel: Äußere Funktionalität. Funktionalität über allem. Dennoch nahmen wir einiges für uns mit. Er hatte keine Ahnung, war aber in der Welt herumgekommen und brachte viele Sichtweisen in die Therapie mit. Häufig war uns beiden klar, dass das, was wir innerhalb der Therapie besprachen, erarbeiteten, usw. gelinde gesagt suboptimal war. Es half uns aber unsere eigenen Wege und Interventionen zu finden. Die eingeübten Imaginationsübungen nach Muster gingen nach hinten los? Also wurden neue geschrieben. Wir schafften uns Projekte und damit unfreiwillig die ersten Anläufe von Innenkommunikation und später sogar (steuerbarer) Co-Bewusstheit. Unsere Funktionalität verbesserte sich zeitweise -> sein Ziel erreicht (leider schien er es regelrecht persönlich zu nehmen, als dieses Korsett der äußeren Funktionalität begann zu knarzen und dann zu zerbrechen). Unser Ziel: ein Miteinander zu schaffen haben wir in den Anfängen – erreicht.

Damit können wir jetzt arbeiten. Mit vielen Innenpersonen und Gruppen (wir haben uns da die Begrifflichkeiten der Systemik, wie wir sie gelernt haben, angeeignet und bezeichnen solche Gruppen als Subsysteme, wir als ganzer Mensch, mit allen bekannten und unbekannten Anteilen, nennen wir System) haben wir die Möglichkeit in Kontakt zu treten. Wir können bedürftige Innenpersonen (z.B. traumatisierte Kinder) an innere, imaginierte, sichere Orte schicken oder – falls es (wie in den meisten Fällen) nicht funktioniert einen imaginierten sicheren Ort zu schaffen, so können sich andere Innenpersonen nach ihren Fähigkeiten kümmern.

Es ist also schon eine Basis vorhanden.

Für die jetzige Therapie haben wir klar gemacht, dass es uns kurzfristig nicht um „Frisur und Make-up“ geht, sondern, dass wir jetzt diese Therapie machen um dort zu graben, wo es vor sich hinschimmelt, dass man es bis nach draußen riechen kann. Was wir auch tun, das, was aus uns versucht wurde zu machen, das was wir auch sind, beeinflusst und heute kaum weniger als noch vor ein paar Jahren. So viele eingepflanzte Überzeugungen, die es fast unmöglich machen gesunde Entscheidungen zu treffen. So viel zerstörtes, dass man seine gesamte Energie darauf verwendet, dass es nach außen nicht so auffällt, dass man imitiert, wie man angemessene Gefühle äußert, dass man Nähe spielt, ohne je wirklich zu vertrauen.

Wir wissen um diese Untiefen. Wir wissen, wie man ein Kind seiner Bindung berauben kann. Ich weiß, dass ich meine Mutter bestimmt liebe, aber ich habe mich auch als Kind nie nach meiner Mami gesehnt, wenn ich krank war. Ich wollte nie zu ihr (oder einer der anderen „Bezugspersonen“) laufen, um ihnen zu erzählen, was der freche Andi heute in der Schule wieder angestellt hat. All diese Menschen waren mir egal. Und auch, wenn ich heute mit viel Mühe versuche eine Beziehung zu meiner Mutter (die übrigens nie aktive Täterin an mir war, sie war nur die unglückliche Seele, die mich austragen musste) aufzubauen, so trifft es mich doch immer wieder, wie egal es mir ist. Stürbe sie, so wäre meine erste Sorge, wie ich ihren Nachlass verwalten soll und wie man eine Beerdigung organisiert.

Für mich ist es eine dieser Abgründe. Mit Bindungen war ich schon als Kind nicht zu ködern. Einmal in unserem Leben, haben sich welche von uns „verwoben“. Ich hoffe es war nicht das letzte Mal.

So, wie schlage ich nun den Bogen?

Was mich ja eigentlich beschäftigte war der Begriff „Kultidentität“, der mich und uns auf so vielen Ebenen traf. Die Therapeutin sprach davon, dass es für uns notwendig ist, dass wir uns mit dieser Kultidentität auseinandersetzen. Zunächst war mir nicht ganz klar, was sie meint. Glaubt sie da gibt es einen einzigen Anteil, der sämtliches Gedankengut der RiGaG in sich vereint und mit dem müsse gearbeitet werden? Nein, so sieht sie es offensichtlich nicht. Sie sprach damit den Teil unserer Gesamtpersönlichkeit, des gesamten Systems an, der in der RiGaG entstanden ist, deren Gedankengut vertritt, der darin gefangen ist, aber noch mehr betonte sie die Anteile, die in der RiGaG ja ihre Heimat gefunden haben. Die dort jemand waren. Die Gefühle der Grandiosität, die mit bestimmten Aufgaben oder einfach dem „Stand“ einhergehen, das Ausleben von sadistischen Gelüsten. All die Widerwärtigkeiten, die man sehr gerne von sich abschiebt.

Ein weinendes und sich vor Schmerzen windendes Innenkind, dass gerade in einem Flashback eine Folterszene wiedererlebt mag für viele herzzerreißend sein. Aber der Mensch, der dieses Innenkind in sich beherbergt wird leichter Akzeptanz erfahren, als wenn statt des kleinen Kindes ein erwachsener Mann da steht, der süffisant grinst, deutlich macht, dass seiner Meinung nach alle anderen nur Bodensatz für ihn sind. Einer der  vielleicht mit Lust in seiner Stimme von Handlungen erzählt, die er noch gestern durchgeführt hat und die man hier nicht so ohne weiteres beim Namen nennen kann. Und es ist immer noch der gleiche Mensch, dessen Innenkind nur Stunden vorher Schutz unter einer Decke gesucht hat, sein Kuscheltier an sich nahm, den Daumen in den Mund steckte und nach seiner innerlich durchlebten Tortur endlich einschlief.

Das ist es also, was uns erwartet, wir schauen genauer hin. Arbeit mit der Kultidentität. Es geht um Bewusstseins- und Verhaltenskontrolle, wir mögen den Begriff „mind-control“ mit jedem Tag mehr, er erfasst mehr und ist doch deutlich kürzer. Wir wollten es ja auch. Wir wollten im zähen Morast waten, denn früher oder später breitet sich die Fäulnis aus dem inneren bis ganz an die Oberfläche durch – und so können und wollen wir nicht leben.

Ein Jahr „Pandy’s“ Vitrine

Kaum zu fassen aber war, vor einem Jahr, einer Woche und einem Tag, habe ich hier das erste mal etwas geschrieben und damit meinen ersten Blog eröffnet (hätte ich mit diesem Posting noch einen Monat warten sollen? Hätte definitiv noch cooler geklungen :mrgreen: )

Mein Postfach quillt über, einigen von euch konnte ich schon antworten. Alle anderen bitte ich um etwas Geduld – oder schreibt mir einfach noch mal, nicht dass ihr mir aus versehen verloren gegangen seit.

Jetzt ist es auch schon wieder drei Monate her, dass ich den Blog mit Inhalt gefüllt habe, der mir auch wirklich wichtig war und nahe ging.

Gelobet sei die Dissoziation, die ja nicht nur für das Aufpalten von Menschen in verschiedene Teilpersönlichkeiten verantwortlich, sondern in meinem Fall das, was mühsam zusammengefügt wurde, wieder fein säuberlich trennt und mir jegliche Erinnerungen nimmt, sowohl an die Inhalte der Themen aus der Kategorie „Kabinett“ als auch die simple Tatsache, dass sie tatsächlich geschrieben wurden. Ich musste einiges kurz überfliegen, nur um mir sicher zu sein, dass ich nicht geträumt habe zuzulassen, dass „böse Dinge“, Dinge über die man mit „denen da draußen“ nicht spricht, ja nicht einmal wirklich mit den Involvierten der Familie oder außenstehender Täter. Wenn man darüber sprach, dann nur unter Aufforderung und fast nie ohne mehr oder weniger geschickte Suggestivfragen (á la „Du magst es doch gern wenn der Günter dich so lieb streichelt, da freust du dich die ganze Woche drauf, nicht wahr?“)

Das erste Blogger-Jahr, werde ich nicht großartig kommentieren. Es hat mir viel geholfen. Ich habe mir sozusagen selbst vor Augen führen können, was offensichtlich – wenn auch in einer deutlich abstrakteren Form – schon in meinem Verstand vorhanden war. Privat hat mir das Jahr viel Neues und/oder „einfach sehr Anderes“ gebracht. Auch wurde ich und habe mich selber mit vielen Themen konfrontiert, die ich hier gerne näher beleuchten möchte.

Viele sind zunächst allgemein philosophischer Natur:

„Wer bin ich?“
„Was ist das ‚Ich'“
„Zu was bin ich fähig, im Guten wie im Bösen“
„Was ist eine gesunde Sexualität, wie erfahre ich ob ich eine habe und wenn dem nicht so ist, wie erreiche ich das“
„Wie lernt Mensch zu vertrauen, wenn er klein ist, wie ist es, wenn er erwachsen ist?“
„Zu was kann ich gebracht/getrieben werden und was oder wie lange braucht es dazu (Stichwort Bewusstseins- und Verhaltenskontrolle, bzw. mind-control)?“
„Zu welchen Methoden greifen welche Organisationen um Menschen unter Kontrolle zu bringen?“
„Was motiviert solche Organisationen oder RiGaGs?“
„Wann verliert die Ware Mensch ihren Wert für die Organisation?“
„Wie löse ich mich aus solchen Netzwerken von RiGaGs, Organisationen von Tätern, involvierten Familien oder Einzeltätern

Mit dem Hintergrund der Themen, mit denen ich mich hier beschäftige, nämlich Störungen im Identitätserleben, gestörte Familienstrukturen mit psychischer, körperlicher und sexualisierter Gewalt, organisierter Menschenhandel, Gewalt als Bestandteil ritueller Handlungen von Kulten mit den verschiedensten Ideologischen Unterbauten, bekommen viele der Fragen – wenigstens für mich – eine ganz neue Dimension.

Ich freue mich, dass sich für diesen Blog einige Gastschreiber bereit erklärt haben das ein oder andere Thema aus ihrer Sicht zu beleuchten.

…und wenn ich mir nun doch einen Therapeuten suche?

Eine Ebene meines Selbst hat mit dem Thema endgültig abgeschlossen. Uns therapeutisch Hilfe zu suchen war – wenn es nicht kläglich scheiterte – selten so hilfreich, dass ich sagen würde die Kosten, die die Krankassen dadurch haben rentieren sich. In dem Artikel „Therapie oder nicht Therapie; das scheint hier die Frage“ sind wir schon einen kleinen Teil unsere persönlichen Frustes losgeworden. Das Lesen der Blogs der Mosaiksteinchen, Rosenblätter und Paulines konfrontiert und auch im Außen mit Themen, die innerlich täglich gewälzt werden. Auch hier bin ich wieder dankbar für dieses Blogphänomen. Es regt ungemein zum Denken an, man experimentiert für sich im stillen Kämmerlein, man lässt Hoffnungen wachsen.

Und ich? Ich schäme mich. Denn ich möchte das nicht mehr alleine durchstehen. Ja, verdammt noch mal, ich wünsche mir eine/n Therapeuten/in, der/die bereit wäre mit uns all die Probleme anzugehen, die es uns nicht erlauben ein größtenteils unbeschwertes Leben zu führen.

Ja, wir können ja schon so viel. Wir sind als System ja schon so unglaublich integriert, weil wir eine teilweise Co-Bewusstheit geschaffen haben und so furchtbar normal aussehen (das ist kein WITZ, so traurig das auch ist, so messen moderne Gutachter und Therapeuten „Erfolg“).

Und nein, wir brauchen keinen der uns imaginative Stabilisierungsübungen beibringt. Da die selten ihren Zweck erfüllten, haben wir unsere eigenen erfunden. Funktioniert.

Und jetzt?

Stabilisierung ist das weiteste, was selbsternannte Traumatherapeuten bereit sind zu gehen.

Ich wurde Zeuge von Therapeuten mit Therapien, die auf Menschen mit einer dissoziativen Persönlichkeitsstruktur abgestimmt war, Zeuge davon, dass sich nicht jeder von Klienten mit einem Hintergrund in organisierter Gewalt oder bekannten destruktiven Sekten abschrecken lässt.

Die lies in mir den Wunsch erstarken auch so etwas haben zu wollen. Wie angemessen das ist, kann ich nicht beurteilen. Logische Überlegungen sagen mir, dass ich eine geringe Chance habe, da ich nur einige wenige Therapeuten eines solchen Kalibers in der Nähe habe. Die alte Denkweise, die das meiste meines Bewusstseins ausfüllt, weil sie einfach überall ist sagt mir:

Du Dummerchen. Hast du noch immer nichts gelernt? Du hast den größten Fehler überhaupt begangen: Du wünscht es dir. Du weißt doch, dass alles, was du dir wünschst, für dich in unerreichbare Ferne rückt. Schau nicht mich so trotzig an, schau dir dein Leben an, die letzten Jahre reichen. Nun blick mir in die Augen und sage ich habe unrecht.

Nein Erfolg erwarte ich nicht, aber ich habe ein Fünkchen Hoffnung, dass irgendwann dieser Fluch, der sich über unser gesamtes Leben legt durchbrochen wird, nur für einen kurzen Moment. Hoffnung soll ja allen Qualen trotzen (THX Mosaiksteinchen)

Ich tu es jetzt einfach. Es kann ja nur schief gehen und mein Frust wird dabei kaum vergrößert.Ich versuche unterzukommen, denn ich möchte Hilfe mit den Sachen, die mir alleine über den Kopf wachsen. Es sind sehr erfahrene Therapeuten dabei, ich hatte das Privileg in der Vergangenheit in meist anderen Zusammenhängen gute Gespräche mit ihnen zu führen.

So hab ich Santa gespielt und mir eine Liste gemacht. Die ließ sich schnell ausdünnen. Übrig geblieben sind 5 Therapeuten im Umland. Zwei kenne ich bereits ein wenig und dass der eine sich noch an mich erinnert hat uns doch etwas gut getan, zumal der letzte Kontakt (anderer Zusammenhang) über acht Jahre her ist.

[Namen natürlich wie immer geändert]

Wir haben da den Therapeuten Christoph Amundsen. Wir hatten das Glück sehr schnell ein Vorstellungsgespräch bei ihm zu ergattern. Es befremdete ihn in der Anamnese zunächst, dass wir wohl mit einer relativ stoischen Geduld über Jahre hinweg immer wieder auf der Suche nach einer hilfreichen Therapie sind. Schien ihm noch nie untergekommen – was uns etwas befremdete, aber das passiert, wenn man vergisst nicht von sich auf andere zu schließen. Er ist ein älterer Mann, eine gewisse Lebenserfahrung setzen wir hier voraus aber es zeigte sich schnell, dass er mit unserem Hintergrund insgesamt vollkommen überfordert wäre. Er nahm uns dennoch auf seine Warteliste auf, die laut seinen Aussagen und Entschuldigungen sehr lang sei – wir finden ein Jahr im Vergleich wirklich Kindergeburtstag.

Herr Amundsen verwies mich in unserem gemeinsamen Gespräch an eine Frau Christine Brecht und bot an, dass ich ihn dort als Referenz angeben dürfe. Frau Brecht interessiert mich sehr. Sie nutzt Methoden in der Traumatherapie, die uns zum einen neu sind und zum anderen sehr danach klingen auf uns zu passen. Sie ist Analytikerin und würde so abrechnen. Ist etwas organisatorisches aber ein definitiver Bonus. Ich hoffe sehr, diese Frau bald kennenzulernen

Herr Amundsen empfiehlt mir genauso wie Frau Bender, die ich aus anderen Gründen einige Wochen zuvor besuchte, einen gewissen Herrn Dr. Richard Crumbiegel. Für uns nichts neues, wie kennen ihn ein wenig, halten seine therapeutische Arbeit für effizient und wir geben zu, dass wir mehr als Glück brauchen um den nächsten freien Termin zu ergattern. Wir sind ja überhaupt froh, dass er im Moment Patienten aufnimmt.

Als wir vor vielen Jahren schon einmal suchten, verwies er uns an seine Kollegin Cornelia Degen. Wir mochten sie auf Anhieb und hatten auch das Gefühl, sie würde und genügend hart rannehmen und auch über das nötige Hintergrundwissen verfügen. Wir haben bereits fast 2 Jahre auf ihrer Warteliste verbracht, bevor wir die Entscheidung trafen und mit einer weniger geschulten Therapeutin zu arbeiten. Wir würden gerne mit ihr arbeiten, wenn wir es nicht schaffen bei Dr. Crumbiegel unterzukommen und da wir sie bereits kennen, würden wir auch den weiteren Weg in Kauf nehmen.

Es gibt noch Sabrina Ebermann, allerdings wissen wir noch nicht viel über diese Therapeutin. Wir lassen uns überraschen.

Ja, ICH hoffe auf eine angemessene Therapie. Ich muss lernen meinen Frust beiseite zu schieben, sonst ist alles zum scheitern verurteilt

Den härtestend Kampf führe ich noch immer gegen mich selbst

Mein Kopf ist voll, voll mit Gedanken und voll mit Gefühlen, die ich kaum je fühle, die ich nur ein wenig begreifen kann, wenn ich sie denke. Ich könnte hier täglich 20 Beiträge schreiben – käme ich doch nur dazu.

Ich will mir ein Leben aufbauen und zwar eins, das diese Bezeichnung auch verdient. Ich will keine Reichtümer anhäufen, keine Ruhm, keine Macht. Ich will nur ausatmen können, mich einmal nicht wie ein gehetztes Kaninchen fühlen. Ich möchte genug Kraft, um mich aus meiner kauernden Haltung aufrichten zu können und mit dem Blick nach vorn gerichtet loslaufen zu können.

Meine Herkunft klebt an mir wie schubkarrenweise zäher, schwarzer Teer, so viel, dass ich kaum stehen kann, geschweige denn laufen. Er drückt mich zusammen, ich kann nur mit Mühe atmen. Oft kann ich mich selbst nur schwer bewegen, weil meine Glieder ganz von dieser zähen Masse zusammengeklebt werden. Wo auch immer ich bin, ich hinterlasse schwarze Spuren.

Es ist geistiger Unrat, mit dem Herkunftsfamilie und RiGaG mich großzügig überschüttet haben.

Es ist heute überhaupt nicht mehr nötig mich auf Schritt und Tritt zu überwachen. Das war es wahrscheinlich auch nie. Es hat ja ausgereicht mir beizubringen, dass meine „Herren“ überall sind, dass sie alles wissen, selbst meine geheimsten Gedanken und Wünsche sind vor ihnen nicht verborgen. Methoden der Bewusstseins- und Verhaltenskontrolle, ein paar Special Effects und wohlüberlegte Drehbücher für scheinbar zufällige Begegnungen haben genügt um mich von der Allmacht der RiGaG zu überzeugen.

Sie brauchen nicht das Telefon abzuhören, sie haben Anteile in unserem System geschaffen, die auf Anfrage alles preisgeben, was ein autorisiertes Mitglied der RiGaG oder Herkunftsfamilie wissen will. Sie brauchen nicht permanent um uns zu sein, sie haben Anteile geschaffen, die uns auch so ohne Unterlass bedrohen und sabotieren.

Es gibt kaum Menschen auf der Welt, mit denen wir darüber sprechen können und noch weniger können überhaupt nachvollziehen, wie es uns damit geht. Ich wünsche mir so oft einmal zu erleben, wie ein normaler Mensch denkt und fühlt. Ich sehe nur immer wieder, war anders meine Gedanken strukturiert sind. Ich muss so viel Kraft aufwenden um sie nicht nach außen durchscheinen zu lassen, um möglichst normal zu wirken.

Meine Gedanken quälen mich und ich kann nicht auf Dauer vor ihnen davon laufen. Die Droge wurde noch nicht erfunden. Meine Überzeugungen beeinflussen meine Entscheidungen und auch wenn ich vermute (denn wie kann ich wirklich etwas wissen?), dass die Realität eine andere ist, wüsste ich nicht, wie ich mich mir selbst widersetzen könnte.

Ich will ja kämpfen, auch wenn meine Überzeugung hauptsächlich darauf fußt, dass es wahrscheinlich das richtige wäre – aber wie und mit welchen Waffen?