Ein Jahr „Pandy’s“ Vitrine

Kaum zu fassen aber war, vor einem Jahr, einer Woche und einem Tag, habe ich hier das erste mal etwas geschrieben und damit meinen ersten Blog eröffnet (hätte ich mit diesem Posting noch einen Monat warten sollen? Hätte definitiv noch cooler geklungen :mrgreen: )

Mein Postfach quillt über, einigen von euch konnte ich schon antworten. Alle anderen bitte ich um etwas Geduld – oder schreibt mir einfach noch mal, nicht dass ihr mir aus versehen verloren gegangen seit.

Jetzt ist es auch schon wieder drei Monate her, dass ich den Blog mit Inhalt gefüllt habe, der mir auch wirklich wichtig war und nahe ging.

Gelobet sei die Dissoziation, die ja nicht nur für das Aufpalten von Menschen in verschiedene Teilpersönlichkeiten verantwortlich, sondern in meinem Fall das, was mühsam zusammengefügt wurde, wieder fein säuberlich trennt und mir jegliche Erinnerungen nimmt, sowohl an die Inhalte der Themen aus der Kategorie „Kabinett“ als auch die simple Tatsache, dass sie tatsächlich geschrieben wurden. Ich musste einiges kurz überfliegen, nur um mir sicher zu sein, dass ich nicht geträumt habe zuzulassen, dass „böse Dinge“, Dinge über die man mit „denen da draußen“ nicht spricht, ja nicht einmal wirklich mit den Involvierten der Familie oder außenstehender Täter. Wenn man darüber sprach, dann nur unter Aufforderung und fast nie ohne mehr oder weniger geschickte Suggestivfragen (á la „Du magst es doch gern wenn der Günter dich so lieb streichelt, da freust du dich die ganze Woche drauf, nicht wahr?“)

Das erste Blogger-Jahr, werde ich nicht großartig kommentieren. Es hat mir viel geholfen. Ich habe mir sozusagen selbst vor Augen führen können, was offensichtlich – wenn auch in einer deutlich abstrakteren Form – schon in meinem Verstand vorhanden war. Privat hat mir das Jahr viel Neues und/oder „einfach sehr Anderes“ gebracht. Auch wurde ich und habe mich selber mit vielen Themen konfrontiert, die ich hier gerne näher beleuchten möchte.

Viele sind zunächst allgemein philosophischer Natur:

„Wer bin ich?“
„Was ist das ‚Ich'“
„Zu was bin ich fähig, im Guten wie im Bösen“
„Was ist eine gesunde Sexualität, wie erfahre ich ob ich eine habe und wenn dem nicht so ist, wie erreiche ich das“
„Wie lernt Mensch zu vertrauen, wenn er klein ist, wie ist es, wenn er erwachsen ist?“
„Zu was kann ich gebracht/getrieben werden und was oder wie lange braucht es dazu (Stichwort Bewusstseins- und Verhaltenskontrolle, bzw. mind-control)?“
„Zu welchen Methoden greifen welche Organisationen um Menschen unter Kontrolle zu bringen?“
„Was motiviert solche Organisationen oder RiGaGs?“
„Wann verliert die Ware Mensch ihren Wert für die Organisation?“
„Wie löse ich mich aus solchen Netzwerken von RiGaGs, Organisationen von Tätern, involvierten Familien oder Einzeltätern

Mit dem Hintergrund der Themen, mit denen ich mich hier beschäftige, nämlich Störungen im Identitätserleben, gestörte Familienstrukturen mit psychischer, körperlicher und sexualisierter Gewalt, organisierter Menschenhandel, Gewalt als Bestandteil ritueller Handlungen von Kulten mit den verschiedensten Ideologischen Unterbauten, bekommen viele der Fragen – wenigstens für mich – eine ganz neue Dimension.

Ich freue mich, dass sich für diesen Blog einige Gastschreiber bereit erklärt haben das ein oder andere Thema aus ihrer Sicht zu beleuchten.

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F62.0, oder was (kompl.) PTBS für uns bedeutet – Pt. I

Traumata haben Folgen.

Jedes Trauma stellt eine Verletzung dar, egal ob körperlich oder seelisch. Wenn ich dir mit einem Hammer auf den Daumen schlage, breche ich dir die Knochen und quetsche das Gewebe. Das ist eine Verletzung, die heilen muss und dazu Zeit benötigt. Wenn du Pech hast, ist der Daumen dauerhaft beeinträchtigt, vielleicht nicht mehr so beweglich wie vorher oder es bleiben Schmerzen.

Mit einem seelischen Trauma, einem Psychotrauma, verhält es sich nicht anders. Auch hier liegen Verletzungen infolge einer starken Erschütterung vor, nur ist diese Erschütterung kein Hammerschlag, sondern es können Katastrophen, Unfälle, Kriegserlebnisse, Vergewaltigungen und vieles weitere sein. Die Folgen sind ebenfalls psychischer Natur.

Eine Reihe psychischer Störungen können Folgen von Traumatisierungen sein. Wir haben neben einigem anderen auch eine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung, bzw. eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung, wie der korrekte deutsche Terminus lautet, entwickelt. Die Störung kennzeichnet sich durch

[…]eine feindliche oder misstrauische Haltung gegenüber der Welt, durch sozialen Rückzug, Gefühle der Leere oder Hoffnungslosigkeit, ein chronisches Gefühl der Anspannung wie bei ständigem Bedrohtsein und Entfremdungsgefühl[…]

(aus: ICD-10-GM Version 2012)

Um sie diagnostizieren zu können, müssen mindestens zwei  dieser Symptome vorliegen, ebenso wie einige weitere Kriterien. Dazu gehören, dass diese Persönlichkeitsänderung über wenigstes zwei Jahre bestanden haben muss und dass ihr eine „extreme“ Belastung von „katastrophalem Ausmaß“ vorausgegangen sein muss. Eine Posttraumatische Belastungsstörung (kurz PTBS) kann hier ebenfalls vorausgegangen sein.

Das alles klingt natürlich sehr abstrakt, selbst für uns, wenn wir es so lesen, obwohl wir davon betroffen sind. Zudem ist es so, dass jeder Betroffene der gleichen Störung diese leicht anders wahrnimmt oder eine andere Symptomkombination aufweist. Wir möchten hier ein wenig darüber schreiben, welche Symptome bei uns vorherrschen und wie wir unsere eigene kompl. PTBS wahrnehmen.

Die Grundvoraussetzungen sind gegeben. Wir sind sind mit vielen Formen der Gewalt aufgewachsen, kennen Prügel, Vergewaltigungen, angekettet sein, in Kisten gesperrt werden, Unterkühlung, Schlafentzug, unter Drogen gesetzt werden oder anderes und dass über einige Jahrzehnte hinweg.

Nun zu den Symptomen. Eine „feindliche oder misstrauische Haltung gegenüber der Welt“ zählt dazu. Feindlich gegenüber der Welt sind wir nicht eingestellt. Eher das Gegenteil ist der Fall. Wir mögen Menschen an sich tatsächlich sehr. Soziale Gefüge und gesellschaftliche Regeln faszinieren und beschäftigen uns, genauso wie Verhalten und Wahrnehmung. Wir arbeiten auch gerne mit Menschen, der Job im Altersheim machte uns seinerzeit viel Spaß, genauso wie Umgang mit Kunden und Klienten heute. Eine misstrauische Haltung haben wir dennoch. Wir trauen anderen oft nicht über den Weg, haben immer Angst vor Verschwörungen gegen uns, so dass wir aufpassen müssen uns nicht darin zu verlieren und die Realität im Auge zu behalten. Auch wenn wir es meist gut schaffen soziale Kontakte aufzubauen, schwingt die Angst immer mit. Wir müssen uns sehr bewusst bemühen, um überhaupt ein Vertrauensverhältnis aufbauen zu können. Einerseits suchen wir den Kontakt zu anderen Menschen, andererseits versuchen wir auch immer sie uns emotional auf Abstand zu halten.

An diesem Punkt kommen wir auch zum zweiten Symptom, dem „sozialen Rückzug“. Wir schwanken zwischen Phasen, in denen wir Kontakte suchen und gut aufrechterhalten können, in denen wir mit sozialen Situationen gut umgehen können und Phasen, in denen wir uns stark zurückziehen und in denen uns jegliche soziale Interaktion überfordert. Diese Phasen des Rückzugs können sich über viele Monate bis hin zu 1-2 Jahren ausdehnen. Das Misstrauen gegenüber der Umwelt nimmt dann überhand. Jedes Gespräch, jede Form der Kommunikation verlangt uns enorm viel ab, kostet zu viel Kraft. Wir verstehen Menschen dann nicht mehr, verstehen uns nicht richtig. Das und die Angst vor Verletzungen führt dazu, dass Kontakte einfach gemieden werden.

Continued: F62.0, oder was (kompl.) PTBS für uns bedeutet – Pt. II